Freiberger greifen nach dem Mars

Die Instruments GmbH stößt in unendliche Weiten vor. Das Unternehmen hat ein Messgerät entwickelt, das Wissenschaftlern hilft, das Klima des Roten Planeten zu erforschen.

VON UTE GEORGE

FREIBERG - Auf dem Mars gab es in der Vergangenheit genauso wie auf der Erde starke klimatische Schwankungen. Waren die Umweltbedingungen einst lebensfreundlich? Dieser Frage sind Wissenschaftler auf der Spur.

"Dabei geht es nicht nur um die Idee, sondern auch darum, dass man sie erfolgreich umsetzen kann."

Kay Dornich Geschäftsführer

Und dabei hilft ihnen jetzt Knowhow aus der Bergstadt. Die Firma Freiberg Instruments GmbH hat seit 2011 ein neues Geschäftsfeld: Messgeräte zur Datierung von geologischen und archäologischen Proben bis zum Alter von einer Million Jahren. "Wir arbeiten an einem großen Nasa-Projekt mit", berichtet Geschäftsführer Kay Dornich. Dabei geht es um die wissenschaftliche Erforschung von Klimazyklen auf dem nördlichen Teil des Mars'. Die Messgeräte für die Wissenschaftler haben die Freiberger entwickelt.

Damit ist das 20 Mann zählende Unternehmen fast konkurrenzlos. Die Besonderheit der Freiberger Entwicklung: Mit den Geräten können sogar empfindliche Lichtemissionen von Mineralien aufgespürt werden. "Daraus lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die Alterung ziehen", erklärt Dornich.

 

Für das Freiberger Knowhow gibt es viele Anwendungen im Bereich der Klimaforschung. "Unsere Geräte haben wir vergangenes Jahr auf den Markt gebracht. Wir sind damit weltweit auf große Resonanz gestoßen", berichtet der Geschäftsführer. Die positive Folge: acht Aufträge für Großgeräte.

 

Doch die Freiberg Instruments GmbH muss nicht in unendliche Weiten vorstoßen, um international Beachtung zu finden. Mit den maßgeschneiderten Messgeräten für die Halbleiter-Industrie hat sich das Unternehmen längst einen Namen gemacht. So entwickelte es eine Messapparatur, die in Bruchteilen einer Sekunde Mängel in Siliziumstrukturen erkennt, dem Rohstoff für die Herstellung von Solar- und Fotovoltaikmodulen. Dafür erhielten die Freiberger im vergangenen Jahr den sächsischen Innovationspreis, "und das bei starker Konkurrenz", sagt Dornich nicht ohne Stolz. Denn, "dabei geht es nicht nur um die Idee, sondern auch darum, dass man sie erfolgreich umsetzen kann".

Und nun will das Unternehmen wachsen. Derzeit wird für zwei Millionen Euro ein neues Produktionsgebäude im Gewerbegebiet Nord-West hinter der Brauerei errichtet. "Wir haben uns im Gründer- und Innovationszentrum gut entwickelt, aber mittlerweile sind wir am Expansionslimit", begründet der Geschäftsführer den Wegzug vom Sitz Am St. Niclas Schacht. Im Herbst dieses Jahres soll Einzug am neuen Standort sein. Dann soll auch nach und nach die Mitarbeiterzahl wachsen. Das neue Produktionsgebäude mit Büros und Forschungsräumen ist für 40 bis 50 Arbeitskräfte ausgelegt.

Und das relativ junge Unternehmen, das sich 2005 mit damals einem Mitarbeiter aus der TU Bergakademie ausgegründet hat, bleibt zukunftsorientiert. "Wir wollen natürlich den Marktausbau unseres neuen Geschäftsfeldes vorantreiben", sagt Dornich. Aber er hat auch bereits weitere Standbeine im Bereich der Spezialmesstechnik im Visier. Wohin dann der Vorstoß geht, will er noch nicht sagen: "Das ist noch nicht spruchreif."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 02.02.2012