Freiberg bekommt Zuschlag für strategisches Rohstoff-Institut

Deutschland arbeitet mit Hochdruck an Konzepten für sichere Rohstoffzufuhren. Der Forschungsstandort Freiberg soll dabei eine zentrale Rolle spielen.

VON UWE KUHR

Berlin/Freiberg - Freiberg erhält mit einem Rohstoffressourcen-Institut eine für die

deutsche Wirtschaft erstrangige strategische Forschungseinrichtung. Diese Entscheidung ist Ende vergangener Woche im Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin gefallen. Das erfuhr die "Freie Presse" aus Kreisen der Behörde, die offiziell ihre Entscheidung erst Mitte Dezember verkünden will. Das neue Institut soll offenbar von Beginn an in der Helmholtz-Gemeinschaft, einer renommierten Forschungsgesellschaft, angesiedelt werden.

 

Vorangegangen war ein Wettbewerb unter Hochschulen und Forschungsstätten. In der

Endrunde setzte sich das gemeinsame Konzept des Forschungszentrums Dresden-

Rossendorf und der TU Bergakademie Freiberg gegen die TU Cottbus durch. Den

Ausschlag soll der Schwerpunkt des sächsischen Entwurfs auf Schlüsselrohstoffe für den Automobil- und Maschinenbau, die Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die regenerativen Energien gegeben haben. Cottbus hatte seinen Fokus eher auf Energieträger gerichtet.

Das Freiberger Siegerkonzept geht davon aus, Deutschland im globalen Wettbewerb

dauerhaft Zugang zu Rohstoffen zu sichern. Dafür soll die ganze Prozesskette von

Erkundung, Gewinnung, Aufbereitung, Veredlung, Einsatz und Recycling untersucht

werden. Es geht darum, Technologie-Vorsprünge zu sichern und auszubauen, die für den

Zugang zu Rohstoffen von Bedeutung sind. Gleichzeitig werden Vorkommen in

Deutschland erneut unter die Lupe genommen.

Dieser Vorgang hat im Erzgebirge bereits begonnen: Ein neues Bergwerk in

Ehrenfriedersdorf fördert ab 2011 Fluss- und Schwerspat. Bei Zinnwald sollen Lithium-

Vorkommen erkundet und gemeinsam mit Tschechien ein Rohstoffkataster für das

Grenzgebiet erstellt werden.

Das Forschungsministerium wollte sich zu Details noch nicht äußern. Die Entscheidung sei in der Sache gefallen, hieß es am Freitag offiziell. "Wir wollen aber derzeit die Wahl Freibergs weder bestätigen noch dementieren." Die Gründe lägen in einem weiteren Abstimmungsbedarf. Dahinter könnten sich Finanzierungsfragen verbergen. Bisher soll das neue Institut in Freiberg mit anfänglich 50 Mitarbeitern jährlich 5,5 Millionen Euro erhalten. Davon müsste Sachsen rund 500.000 Euro beisteuern. Es gilt aber nicht als ausgeschlossen, dass der Bund wegen der hohen wirtschaftsstrategischen Bedeutung tiefer in die Tasche greift, um das Vorhaben zu beschleunigen. Dem Vernehmen nach ist von bis zu 10 Millionen Euro pro Jahr die Rede, wobei auch der Freistaat mehr beisteuern müsste.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 06.12.2010