Firmen spüren das Geburtentief

Ausbildungsmesse in Zeiten sinkender Bewerberzahlen

Von Petra Wötzel

Stollberg. Über das breite Spektrum von Ausbildungsmöglichkeiten in der Region haben sich am Samstag zahlreiche Mittelschüler, Gymnasiasten und deren Eltern in der Dreifeldhalle des Stollberger Gymnasiums informiert. Bei der 5.Ausbildungsmesse präsentierten sich 82 Aussteller den Besuchern, darunter 49 Unternehmen und Dienstleister, 15 Berufsschulen und Bildungszentren, 11 Aussteller, welche die Kammer, Innungen und Behörden vertraten sowie 7 Universitäten und Fachhochschulen. Kulturell umrahmt wurde die Veranstaltung von Schülerinnen und Schülern der Katharina-Peters-Mittelschule Zwönitz und des Carl-von-Bach Gymnasiums Stollberg.

 

Die Messe richtete sich vor allem an Mädchen und Jungen ab der Klassenstufe sieben und soll dazu beitragen den Nachwuchs in der Region zu halten. "Die frühzeitige Berufsorientierung dient der langfristigen Fachkräfterekrutierung im Erzgebirgskreis", sagte Christoph Stahl. Er ist der Referatsleiter Kreisplanung/Wirtschaftsförderung im Landratsamt des Erzgebirgskreises. "Ausbildungsmessen sind zudem wichtig, damit unsere Jugendlichen Informationen sammeln, die Angebote mit ihren Interessen vergleichen, aber auch nach Alternativen suchen."

 

Dass der Bedarf an Informationen zur Berufsorientierung seit der ersten Messe 2006 ungebrochen ist, zeigen die zahlreichen Gespräche an den Ständen. Im Mittelpunkt standen dabei die Zugangsvoraussetzungen für die einzelnen Berufsbilder, Praktika, spätere Qualifizierungsmöglichkeiten und Karrierechancen sowie das Herstellen erster wichtiger Kontakte zum vielleicht zukünftigen Ausbildungsbetrieb.

 

Den könnte sich Florian Köhler aus Zwönitz durchaus in der Firma B&S, einem Metall- und Verarbeitungsbetrieb in seiner Heimatstadt vorstellen. Der Achtklässler der Katharina-Peters-Mittelschule Zwönitz informierte sich bei Carolin Band, Auszubildende zum Zerspanungsmechaniker im zweiten Lehrjahr über den Betrieb und die Ausbildung. "Ich möchte etwas handwerkliches lernen, der Beruf würde mir deshalb gut gefallen", betonte der 14-Jährige.

 

Für Carolin Band war es nie ein Problem in einen "Männerberuf" einzusteigen. "Büroarbeit wäre nichts für mich. Etwas mit den Händen zu schaffen finde ich toll, und das man dabei mal schmutzig wird stört mich nicht", erzählt die aufgeschlossene Zwönitzerin lachend. Ausbilder Uwe Graubner freut es, denn geeigneten Nachwuchs zu finden sei in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. Wie eine stichprobenartige Befragung ergab sind auch in vielen anderen auf der Messe vertretenen Betrieben die Bewerberzahlen zurückgegangen. "Man merkt deutlich die geburtenschwachen Jahrgänge. Zudem lässt auch die Ausbildungsreife oft zu wünschen übrig", sagt Graubner. "Durch diese Defizite kann es nicht nur zu Problemen in der praktischen Ausbildung kommen, auch in der Berufsschule sind die Anforderungen sehr hoch. In Mathematik, Physik und Chemie sollte deshalb mindestens eine 3 auf dem Zeugnis stehen." 14 junge Leute absolvieren derzeit eine Ausbildung bei B&S.

Großer Andrang herrschte am Stand des Kreiskrankenhauses Stollberg. "Soziale Berufe sind immer von Interesse", freut sich Pflegedienstleiterin Elke Köhler. Aber auch in der Gesundheitseinrichtung kennt man das Nachwuchsproblem. "Das Leistungsniveau ist nicht mehr so gut. Doch die Ausbildung ist sehr umfangreich. Vor allem physisch und psychisch müssen die jungen Leute fit sein. Da kann man keine Abstriche machen", so Elke Köhler. Eine reine Mädchendomäne sei der Beruf des Krankenpflegers heute nicht mehr.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Stollberger Zeitung, 27.09.2010