Firma wagt sich gern an Großes heran

Laserstrahlen haben es den Eibenstockern offenbar angetan. Denn neben der Laser-Event-Company setzt auch das Unternehmen Haller 3D aus der Bergstadt maßgeblich auf das gebündelte Licht.

Von Kjell Riedel

Eibenstock - Während Enrico Oswald und seine Laser-Event-Com- pany weltweit Leute mit ihren bunten Lasershows unterhalten, "malt" Haller 3D eher Bilder auf Computerbildschirme. Die Firma hat ihr Augenmerk auf das dreidimensionale Scannen von Objekten aller Art gerichtet - und zwar von relativ klein bis ganz groß.

"Wir können Teile von einem Zentimeter bis hin zu ganzen Häuserkomplexen oder Stadtkernen erfassen und darstellen", erklärt Chef Ray Haller. Großobjekte seien sogar eine Spezialität des Hauses. Die "Vorlagen" werden - unter anderem eben mit Laserstrahlen - detailliert abgetastet. Auf diese Weise entsteht ein genaues Abbild, das zum Beispiel virtuelle Rundgänge durch Häuser ermöglicht. Genauso lassen sich durch Scannen eines maßstabsgerechten Modells ein Gebäude, eine Konstruktion oder eine Anlage quasi vorab in die reale Umgebung einfügen. Damit können laut Haller zum Beispiel bei Bauvorhaben oder Industrieprojekten frühzeitig Schwachstellen erkannt werden. Selbst in der Archäologie finde das Ganze längst Verwendung. "Im Prinzip ist alles denkbar. Wir sind selbst überrascht, was da geht", sagt Haller, der auch Schulungen zu Vermessungssoftware an Universitäten und Fachhochschulen abhält.

So breit gefächert wie die Einsatzmöglichkeiten sind auch die Kunden, die die Dienste der Eibenstocker Firma in Anspruch nehmen. Darunter finden sich Künstler und Modellbauer, Zahnärzte, aber auch Auto-Tuner und große deutsche Automobilkonzerne. Selbst für die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) - laut Internet Europas größter Luft- und Raumfahrt- sowie zweitgrößter Rüstungskonzern - sind die Bergstädter tätig.

"Viele dieser Leute kenne ich noch von früher", sagt der 39-Jährige, der einst in seiner Heimatstadt Plauen bei der Wema Facharbeiter für Werkzeugmaschinen gelernt hat. Nach der Wende verschlug es ihn nach Ingolstadt. In einer Firma, die Prototypen herstellt, kam er zur Messtechnik - seinem neuen Berufsfeld. 15 Jahre habe er in Ingolstadt gearbeitet, machte sich dort selbstständig und lernte seine Freundin Lysann Axmann kennen. Die wiederum stammt aus Eibenstock. "Wir wollten beide wieder zurück. Da wir vorrangig zu den Kunden fahren, war der Standort nicht ganz so wichtig", erklärt Haller. Die Wahl fiel aufs Erzgebirge. "Erhalten blieben mir die Kontakte aus meiner Zeit in Ingolstadt."

In Eibenstock fand das Unternehmen, zu dem derzeit neben dem Chef und seiner Partnerin auch deren Bruder Maurice Axmann gehört, im Gebäude der Dachdeckerei Wagner Unterschlupf. Inzwischen ist es dort allerdings viel zu eng geworden, und so entsteht derzeit nur wenige Meter entfernt im Gewerbegebiet "Am Sonneneck" ein neues Domizil. Rund 400.000 Euro investiert der Betrieb in die Halle samt Büro und Sozialtrakt sowie zwei neue Scanner.

Mehr Platz ist nicht zuletzt deshalb nötig, weil künftig in Eibenstock spezielle Geräte gebaut werden sollen. Denn eines der großen Probleme beim Abtasten der Objekte mit dem Scanner stellt laut Haller das Führen der Lichtquelle dar. "Von Hand ist das kompliziert und aufwändig. Wir haben ein Gerät entwickelt, das den Scanner computergesteuert automatisch über das abzutastende Teil lenkt." Einen funktionsfähigen Prototyp gibt es bereits. Weitere Neuentwicklungen laufen oder sind geplant. Wenn alles klappt, soll der neue Firmensitz von Haller 3D in wenigen Wochen fertig sein. "Und dann werden wir wohl auch mehr Leute brauchen", blickt Ray Haller voraus.

 

 

Quelle: Freie Presse, Schwarzenberger Zeitung, 10.11.2010