Erzgebirgsicher Landwirt geht seinen eigenen Weg

Niederwürschnitz.  Artgerechte Haltung, kurze Transporte, eigene Vermarktung - Dominik Fritzsch will selbst über seine Rinder bestimmen. Diese Unabhängigkeit hat allerdings ihren Preis.

 

Der Landwirt will wissen, was mit seinen Tieren passiert. Er möchte bestimmen, wie seine Kälber aufgezogen werden, welches Futter sie bekommen, wie sie geschlachtet werden. Doch wie kann ein einzelner Landwirt aus Niederwürschnitz in einem System unabhängig sein, indem allein Mengen und Ertrag zählen? Auf einem Markt, der Preise bestimmt und so die Haltung der Tiere diktiert? Fritzschs Antwort: ein regionaler Kreislauf.

 

Was der 33-Jährige darunter versteht, ist denkbar einfach. Er will, dass seine Kälber in der Region geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet, verarbeitet und verkauft werden. Quasi ein Gegenentwurf zur Globalisierung, die auch in der Fleischindustrie Einzug gehalten hat. Um seine Idee in die Tat umzusetzen, gründete der Niederwürschnitzer die Vermarktungsinitiative "Erzgebirgisches Weiderind". Neun Mutterkuhbetriebe und Fleischereien aus der Region gehören dazu. Die am weitesten entfernten Höfe, die sich der Initiative angeschlossen haben, liegen bei Zschorlau und Drebach. 

 

Der regionale Kreislauf ist für Fritzsch nicht nur der Schlüssel zur Unabhängigkeit, sondern auch eine ehrgeizige Aufgabe mit mancher Hürde. "Ich bin gelernter Landwirt, habe keine Erfahrungen in Sachen Vermarktung. Da unterschätzt man den Organisationsaufwand", gibt der Niederwürschnitzer zu, der den elterlichen Hof mit 22 Jahren übernahm. Das schwierigste Hindernis bleibt aber die Wirtschaftlichkeit. Denn so schön, wie die Vorstellung von Kälbchen und Mutterkuh auf der erzgebirgischen Weide daherkommt - am Ende wird nicht nur ein Tier geschlachtet, Fritzsch und seine Mitstreiter wollen damit Geld verdienen. Die hohen Anforderungen, die sich die Initiative auferlegt hat, gehen auf Kosten der Wirtschaftlichkeit. "Vom Kalb bis zur Roulade müssen wir drei Jahre Arbeit und Geld investieren. Wir haben im Vergleich zur konventionellen Haltung 30 bis 40Prozent mehr Kosten - aber auch die sichtbar bessere Fleischqualität", so Fritzsch.

 

Das über den Preis des Endverbrauchers wieder reinzuholen, ist das größte Problem für den regionalen Kreislauf im Erzgebirge. Die Zeiten von "Geiz ist geil" seien vorbei. "Bei einer Umfrage zu sagen, dass ich für hochwertige und regionale Produkte mehr zahlen würde, und sich beim Einkauf für die 2 Euro teure Roulade entscheiden, sind völlig unterschiedliche Dinge", sagt Fritzsch. Noch zahlt der Landwirt also für seine Unabhängigkeit.

 

Quelle: Freie Presse am 12.08.2014