Erzgebirger forschen am Klang der Zukunft

Die Atmosphäre ist entspannt, die Präsentation des Raumklangsystems ist beeindruckend. Beeindruckt ist auch Ministerpräsident Michael Kretschmer. Sein Statement: "Innovation hat einen Platz im ländlichen Raum". Im SPEICHER könnte sie eine neue Heimat finden.
Die Atmosphäre ist entspannt, die Präsentation des Raumklangsystems ist beeindruckend. Beeindruckt ist auch Ministerpräsident Michael Kretschmer. Sein Statement: "Innovation hat einen Platz im ländlichen Raum". Im SPEICHER könnte sie eine neue Heimat finden. / © zwoenitz.de

Ein Bündnis aus mehreren Firmen arbeitet an dreidimensionalen Geräuschen. Die könnten eines Tages dabei helfen, Krankheiten wie Demenz zu lindern. Davon will auch die Stadt Zwönitz profitieren.

Es ist nicht weniger als eine Weltneuheit, die der Bürgermeister von Zwönitz, Wolfgang Triebert, am Montag Gästen versprach. Im historischen Speicher an der Zwönitzer Gasse war im dritten Stockwerk der Prototyp eines Raumklangsystems aufgebaut worden, das mit einer 32-Kanaltechnik aufwartete. Damit lassen sich dreidimensionale Geräusche erzeugen, die mal von links erklingen, mal von rechts, mal von oben, dann von unten.

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"Solche 3D-Audioanlagen gibt es zwar schon in Multiplex-Kinos oder Planetarien", sagte Triebert, "aber sie kosten einen Millionenbetrag." Das Besondere an der nun vorgestellten Anlage in Zwönitz: Sie soll mit "wenigen zehntausend Euro" nur einen Bruchteil davon kosten.

Entwickelt haben das neuartige Raumklangsystem mehrere Firmen aus der Region, die sich zu einem Forschungsnetzwerk namens "3D-Audio: Neue Perspektiven für das Hören" zusammengeschlossen haben. Insgesamt 70 Partner sind beteiligt, neben Unternehmern auch Ärzte und Wissenschaftler, etwa von der Technischen Universität Chemnitz. Ihr Ziel: Sie wollen das Erzgebirge zur Modellregion für 3D-Klänge entwickeln.

Derzeit bewirbt sich das Netzwerk beim Bund um Fördermittel in Höhe von gut 15 Millionen Euro. Voraussichtlich im März soll eine Entscheidung fallen. Der erzgebirgische Sound-Designer Friedrich Blutner steht als treibende Kraft hinter der Idee.

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Das Hauptaugenmerk liegt dabei künftig auf Therapiemethoden, etwa für Demenz. Durch das regelmäßige Hören von 3-D-Klängen würden im Gehirn Areale aktiviert, heißt es, die helfen, die Symptome der Krankheit zu lindern. Erste Tests hätten eine positive Wirkung bestätigt, berichtet Stadtchef Triebert.

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Die Stadt Zwönitz ist als weiterer Partner an dem Forschungsprojekt beteiligt. Bürgermeister Wolfgang Triebert hofft, dass das Netzwerk später seinen Sitz im Speicher-Gebäude hat und dort ein Institut für 3D-Audio-Kommunikation eröffnet.

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Einen Etappensieg auf dem Weg dahin hat Triebert am Montag erreicht. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer brachte ihm für den geplanten Umbau des Speichers einen Fördermittelbescheid über fast acht Millionen Euro vorbei. 

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Quelle: Freie Presse vom 15.01.2019, Jürgen Freitag