Erzgebirge auf dem Weg zu den Top 10 deutscher Mittelgebirge

Im Ringen um mehr Gäste stehen 23 deutsche Mittelgebirge in einem harten Wettstreit. Das Erzgebirge ist 2011 dabei ein Stück voran gekommen.

VON GABI THIEME

CHEMNITZ/KAMENZ - Ob es die politischen Krisenherde in der nahen und weiten Welt sind, wirtschaftliche Gründe oder einfach ein Rückbesinnen auf die Heimat: Urlaub in Deutschland erlebt derzeit einen Boom. Davon hat 2011 auch Sachsen profitiert: Es kamen mehr als 6,5 Millionen Gäste in den Freistaat, 4,7 Prozent mehr als 2010. Auch die Zahl der Übernachtungen stieg um drei Prozent auf 16,8 Millionen.

Wie aus einer noch inoffiziellen Übersicht des statistischen Landesamtes in Kamenz für 2011 hervorgeht, hat unter den sechs touristischen Regionen in Sachsen das Erzgebirge den größten Zuspruch gefunden - auch weit mehr, als die Sächsische Schweiz und das sächsische Elbland zusammengenommen erzielten. Erstmals seit 1990 wurde bei Übernachtungen die Drei-Millionen-Marke geknackt. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren gab es 1,4 Millionen Übernachtungen von 428.894 Gästen. Bis 2001 hatten sich diese Zahlen zunächst verdoppelt. Mehr Übernachtungen konnte 2011 nur die Stadt Dresden verbuchen (knapp 3,8 Millionen), die mit einem Plus von 7,6 Prozent auch den größten Zuwachs registrierte. Schlusslicht unter allen neun Reisezielen war Chemnitz. Zwar konnte die Stadt 4,3 Prozent mehr Übernachtungen zählen. Doch in absoluten Zahlen waren das gerade einmal 437.000. Leipzig erreichte das Vierfache, Dresden fast das Neunfache.

Das Vogtland trübt die Bilanz

Wenig Grund zur Freude hat auch das Vogtland. Die Region war die einzige, in der sowohl die Zahl der Gäste (minus 0,9 Prozent) als auch der Übernachtungen (minus 2,3 Prozent) sank. Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes, Michael Hecht, führt es auf die ersten Monate des Jahres zurück. "Das Wetter im letzten Winter war so extrem, dass viele Gäste ferngeblieben sind. Und was im ersten Vierteljahr in Größenordnungen verloren geht, lässt sich nicht aufholen, gleich gar nicht in klassischen Wintersportgebieten." Hinzugekommen sei, dass im Sommer auch Wasser und Baden nicht gelockt hätten. Zum einen wegen des Wetters. Zum anderen wegen der Baustellen an der Talsperre Pöhl und weil die Talsperre Pirk nach zweijähriger Sanierung Gäste erst wieder zurückgewinnen muss.

Da 22 Prozent der 8000 Betten in Kur- und Reha-Einrichtungen stehen, würden sich Sparmaßnahmen und Streichungen im Gesundheitsbereich besonders stark auswirken, meint Hecht. Einen Lichtblick gibt es im Vogtland dennoch: Die Auslastung der Betten lag bei knapp 44 Prozent, ein Ergebnis, das nur von Leipzig (45 Prozent) und Dresden (52 Prozent) übertroffen wird. Allerdings kommt hierbei dem Vogtland die hohe Zahl an Betten im Kurbereich zugute. Rechnet man sie heraus, landet die Region bei einer ähnlichen Bettenauslastung wie das Erzgebirge, das sächsische Burgen- und Heideland sowie die Stadt Chemnitz. Überall standen dort über das gesamte Vorjahr gerechnet zwei Drittel der Gästebetten leer.

Ziele sind hochgesteckt

Die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge, Veronika Hiebl, sieht die Region daher längst nicht am Ziel, "aber auf gutem Weg". Unter 23 vergleichbaren Mittelgebirgsregionen in Deutschland hatte das Erzgebirge mit seinen Übernachtungszahlen 2009 noch auf Platz 12 gelegen - hinter dem Thüringer Wald, der Pfalz und dem Odenwald (Plätze 9 bis 11) und am weitesten abgeschlagen vom Schwarzwald, der das Ranking anführt. Das Ziel, es unter die ersten Zehn zu schaffen, sei nun nicht mehr fern, wohl aber das, sich bis 2020 unter den Top Fünf zu platzieren. "Fast alle deutschen Mittelgebirge haben mit einem angestaubten Image zu kämpfen. Auch wir werden noch immer vorrangig von Urlaubsgästen über 60 angesteuert", räumt Hiebl ein. Mit den 2011 entwickelten neuen touristischen Angeboten, wie "Erlebnis Bergbau & Kulturschätze", "Sportlich & vital in der Natur" oder auch "Eisenbahnromantik & Oldtimerträume" wolle man sich fortan deutlich von anderen Mittelgebirgsregionen unterscheiden.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 18.02.2012