Erster Neubau auf DKK-Abbruchgelände

Die Rochhausen Kältesysteme GmbH setzt am Standort des einstigen Kühl- und Gefrierschränke-Herstellers in Scharfenstein ein Stück Tradition fort. Auf altem Fundament baut die Firma eine neue Produktionsstrecke auf.

VON MIKE BALDAUF

SCHARFENSTEIN - Neben den Abbruchresten des DKK-Altwerkes in Scharfenstein nimmt eine neue Fertigungshalle der Rochhausen Kältesysteme GmbH Gestalt an. Firmenchef Dieter Rochhausen spricht vom ersten Neubau auf dem revitalisierten Gelände des früheren DDR-Kühlgeräteherstellers - ein Umstand, der ihn ein wenig mit Stolz erfüllt. Stolz ist er ebenso darauf, dass die Halle auf den Fundamenten jenes DKK-Gebäudeteils gründet, in dem Anfang der 1990er-Jahre der weltweit erste FCKW-freie Kühlschrank entwickelt wurde.

Eigentlich wollte sein Planer die Fertigungshalle einige Meter weiter weg zum Zschopaufluss hin errichten. Aber Rochhausen bestand darauf, die Grundmauern des Altbaues zu nutzen. Um den nötigen Abstand zu einer angrenzenden Felswand zu schaffen, mussten extra 400 Kubikmeter Gestein herausgesprengt werden. Doch dem 61-Jährigen war das ein Herzensbedürfnis.

Vom Abriss profitieren alle

Als Leiter der Kompressoren-Konstruktion hatte er den Niedergang von DKK selbst miterlebt. Zwar habe auch ihm das Herz geblutet, als in diesem Frühjahr mit dem Einsatz der Abrissbagger der größte Gebäudekomplex fiel. Doch nur in Nostalgie zu schwelgen, liegt dem Firmeninhaber nicht. Vielmehr betrachtet er den großflächigen Abriss auf dem Gelände als Chance, etwas von der Tradition des Industriestandortes zu bewahren. Sein Unternehmen ist das beste Beispiel dafür. 1992 wagte Rochhausen mit fünf Mitarbeitern der Musterbau-Abteilung den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute beschäftigt das mittelständische Unternehmen rund 30 Mitarbeiter und betreut etwa 200 Kunden im deutschsprachigen Raum.

Doch auch andere Firmen, die sich nach der Wende im Gewerbepark ansiedelten, dürften vom Abriss der bröckelnden Gemäuer profitieren, ist Rochhausen überzeugt. Kunden, die zuerst an Ruinen vorbei geführt werden müssten, erhielten schließlich nicht unbedingt den besten Eindruck von einem Unternehmen. "Bürgermeister Haustein und der Gemeinderat haben Mut bewiesen, als sie das Projekt in Angriff nahmen. Dadurch ist das alles erst möglich geworden", würdigt er.

Die Baugenehmigung für seine neue Halle vom Landratsamt hatte er in einer Rekordzeit von vier Wochen in der Tasche. "Das ist der Vorteil, wenn man in einem ehemaligen Industriegebiet baut", sagt Rochhausen. Den Grundstein für die Expansion seines Betriebes von der Hopfgartener Straße in den Gewerbepark legte er schon 2008. Damals erwarb er das frühere Werkzeugbau-Gebäude, in das er heute die Bereiche Komponentenbau und Blechbearbeitung ausgelagert hat.

Die Halle daneben soll bis Ende des Jahres im Rohbau fertig sein und spätestens bis zum Firmenjubiläum anlässlich des 20-jährigen Bestehens im Oktober 2012 die Fertigung laufen. Wie schnell alles vonstattengeht, macht Rochhausen auch von der künftigen Förderlandschaft im Freistaat abhängig. Zurzeit sehe es da nicht rosig aus. Alles in allem will er im Gewerbepark eine siebenstellige Summe investieren.

Produktion an zwei Standorten

Ein kompletter Umzug von der Hopfgartener Straße in den Gewerbepark kommt für ihn aber derzeit nicht infrage. "Jedenfalls wird das wohl nicht mehr unter meiner Leitung geschehen", sagt Dieter Rochhausen, der sich langsam aus dem operativen Geschäft zurückziehen will. Tochter und Sohn, die schon Jahre in der Firma arbeiten, sollen diese einmal weiterführen.

Am Standort Hopfgartener Straße werden die Rohrfertigung und die Entwicklung ausgebaut, in der früheren Werkzeugbau-Halle im DKK-Gelände dagegen Büroräume und ein Hochregallager eingerichtet. 2010 erhielt das Gebäude schon einen Anbau für den Versand.

Industrie- und Gewerbelieferant

Die Rochhausen Kältesysteme GmbH ist Lieferant für Industrie- und gewerbliche Kunden. Die Firma fertigt Kältesysteme, Bausätze und Sonderanlagen - zum Beispiel für Handelseinrichtungen, Fleischereien und industrielle Zwecke. Auch Wärmepumpen, die im Produktionsprozess anfallende Abwärme nutzen und beispielsweise Brauchwasser erwärmen, gehören zum Sortiment. Die Produktion erfolgt in Stückzahlen von einigen wenigen bis zu mehreren hundert Geräten.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Zschopauer Zeitung, 12.10.2011