Eine duftende Erfolgsgeschichte

Nachdem die Pobershauer Firma Casino Parfuem bereits den DDR-Duftklassiker "Casino de luxe" auf den Markt gebracht hat, folgten Neuentwicklungen. Jetzt erinnert mit "Action" ein Spray an jenes Deodorant, das 1985 in der DDR das Licht der Welt erblick

VON BABETTE ZAUMSEIL

POBERSHAU - Nein, Ostalgie liegt ihr nicht im Sinn. Das stellt Gabriele Fritzsche gleich klar. Dabei könnte man es meinen. Die Kosmetikerin und Inhaberin einer Parfümerie in Marienberg hat nicht nur dem DDR-Parfümklassiker "Casino de luxe" zu einer Wiederbelebung verholfen: Die Pobershauer Firma Casino Parfuem Saxonia Fritzsche & Enders schob in den vergangenen drei Jahren unter anderem einen Badeschaum nach, der längst verloren geglaubte Erinnerungen weckte. Jetzt bringt sie ein Deodorant heraus, das an das "Action"-Spray erinnert, das ab 1985 in der DDR besonders junge Frauen ansprechen sollte.

Bei Großhändler gelistet

Und die Marken haben Erfolg. Besonders freue sie sich, dass die Produkte der Pobershauer auch über einen Drogeriegroßhändler in Bayreuth verkauft würden und sie auch in 30 Filialen einer großen Parfümeriekette in Ostdeutschland gelistet seien, betont Gabriele Fritzsche.

"Düfte sind Kunst, und sie sind Erinnerung." Sagt die Unternehmerin und meint zu Letzterem: "Das ist erst einmal etwas sehr Persönliches, etwas Privates, das nichts mit dem Staat DDR zu tun hat. Viele Kunden sagen mir, Casino ist der Duft, den meine Frau bei unserer Verlobung getragen hat oder bei der Hochzeit. Es war aber auch der sogenannte ,Duft der Chefsekretärin', einer selbstbewussten, mit beiden Beinen im Leben stehenden Frau."

Dass es einmal soweit kommt und das Unternehmen sich heute selbstbewusst als kleines Dufthaus bezeichnet, wäre Gabriele Fritzsche nie in den Sinn gekommen: "Vor drei Jahren hatten wir uns lediglich entschieden, die Kundennachfrage nach Casino zu befriedigen." Dessen Produktion war 2006 eingestellt worden. Gabriele Fritzsche bot ihre letzten Vorräte bei einem Internet-Auktionshaus an, "und Sie können sich nicht vorstellen, was da losging. Ein Bieter meinte, er zahle jeden Preis, andere, ob ich denn nichts gegen das Produktionsende tun könnte". Die Geschäftsfrau fand in Torsten Enders, dem Geschäftsführer der Wätas Wärmetauscher Sachsen GmbH, einen Unternehmenspartner, gründete mit ihm die Firma und kaufte die Marke. "Das war noch der gleiche Duftstofflieferant wie 1965. Und die Inhaltsstoffe des Parfüms entsprechen den heutigen strengen Vorschriften, etwa was Allergien angeht", ist sie begeistert.

Beim vierten Fass angekommen

Ein Fass mit 180 Litern nahmen die Pobershauer ab und füllten die Flaschen ab - zu je 35 Millilitern. "Wir wollten den Inhalt des Fasses verkaufen und dann weitersehen", erzählt Gabriele Fritzsche. Die Begeisterung bei der ersten Messe sei groß gewesen, der Verkaufserfolg war da, "und damit auch der finanzielle Weg frei für Neuheiten". Mittlerweile sei die Firma mit ihren "eineinhalb Mitarbeitern" beim vierten Fass angekommen, und das fünfte müsste 2012 gekauft werden.

Ein Parfümeur entwickelte für das Unternehmen in der folgenden Zeit neue Düfte: einen für Herren, zwei für Frauen und die Grundlagen für einen Badeschaum. Nun also "Action", ein Aerosolspray. "Die gibt es kaum noch, und gerade die Männer im Osten lieben diese Sprays", sagt Gabriele Fritzsche.

So stand am Anfang auch ein Herrenspray. Dem sollte ein fruchtiger Duft für junge Frauen folgen, der an "Action" erinnert, aber nicht eins zu eins dem Deodorant von 1985 gleicht. Das könne er auch nicht, da einige Inhaltsstoffe von damals heute gar nicht mehr verwendet werden dürfen.

Spray aus Oberlichtenau

Auch die Rechte an dieser Marke haben die Pobershauer erworben. Wie es damit weitergeht, weiß Gabriele Fritzsche noch nicht: Es ist nicht entschieden, ob wir sie pflegen und weiterentwickeln." Das Spray wird im Übrigen nicht wie die Parfüms in Pobershau abgefüllt, das erledigt ein Unternehmen aus Oberlichtenau.

Die vergangenen drei Jahre waren eine "absolute Erfolgsgeschichte", bilanziert Gabriele Fritzsche. 2011 stünden 158.000 Euro Umsatz zu Buche: "Wir hätten nicht gedacht, dass in so kurzer Zeit auch wirtschaftlich etwas möglich ist."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 31.01.2012