Ein Laboratorium macht fit fürs Leben

Dank Schnupperkursen, Patenschaften und jeder Menge Praxis sind Lauterer Schüler für die Berufswahl gewappnet. Deshalb steht in der Stadt seit gestern eine "Starke Schule".

VON FRANK HOMMEL

LAUTER/DRESDEN - Jeden Donnerstag schwärmen die Lauterer Neuntklässler aus. Ihr Ziel sind Unternehmen der Umgebung: die Nickelhütte in Aue, die Hightech-Schmiede Turck in Beierfeld, die Oberflächenveredler Omeras nur ein paar hundert Meter von der Heinrich-Heine-Mittelschule entfernt. Rund 70 Partnerunternehmen hat die Schule mittlerweile gewonnen. Zehn Wochen schnuppern Schüler jeweils einen Nachmittag lang Firmenluft.

"Zukunft lebensnah" heißt das Programm. Es ist nur ein Puzzleteil eines ausgeklügelten und umfassenden Konzepts, mit dem die Lauterer Lehrer um Schulleiterin Kersten Petzold ihre Schützlinge schon ab der fünften Klasse für die Berufswahl wappnen. Das Konzept überzeugt die Fachwelt. Beim Sächsischen Landesausscheid des Wettbewerbs "Starke Schule" hat die Schule damit gestern in Dresden den dritten Platz erreicht und 2000 Euro Preisgeld gewonnen.

Stiftung lobt das Konzept

Erster wurde eine Schule in Wilkau-Haßlau, der zweite Preis ging nach Neusalza Spremberg in Ostsachsen. Die Mittelschule Eibenstock schaffte Platz vier. "Die prämierten Schulen haben hervorragende Konzepte umgesetzt", erklärte Antje Becker von der Hertie-Stiftung. Die Stiftung zählt zu den Trägern des Wettbewerbs. Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) lobte: "Eine starke Schule machen nur die Menschen möglich. Starke Schulleiter, starke Lehrer, starke Schüler."

Das sieht Mike Rückschloß, Produktionsleiter beim Werkzeugbauer Wesoba GmbH, ähnlich: "Die Lauterer Lehrer kümmern sich sehr intensiv." Die Wesoba zählt zu den Partnern. "Das Programm ist für uns ein gehöriger Aufwand", sagt Rückschloß, "aber wenn man es perspektivisch sieht, stehen wir in ein paar Jahren vor dem Problem Fachkräftemangel." Die Schwarzenberger erhoffen sich, dass junge Menschen ihren Beruf bewusst wählen. Rückschloß: "Von vielen Berufen kursiert oft ein völlig falsches Bild."

Zwischen der Lauterer Schule und der Nickelhütte Aue wurde der Kontakt über persönliche Bande geknüpft, berichtet Geschäftsführer Volker Carluß. In seinem Labor können sich die Schüler ausprobieren. Ein Sinnbild: Das Programm erweist sich als Labor fürs spätere Leben.

Heimische Wirtschaft profitiert

Carluß: "Wir sehen das als informelle Geschichte. Vielleicht kann man Schüler überzeugen, einen technischen Beruf zu ergreifen. Da wäre uns schon viel geholfen." Michael Roscher von Omeras erklärt: "Aufgrund der demografischen Entwicklung ist es wichtig, dass die einheimischen Schüler hier in der Gegend einen Ausbildungsplatz finden, um später als Fachkräfte die regionale Wirtschaft zu unterstützen." Die Lauterer Schule hilft so nicht nur ihren Schülern, sondern auch der heimischen Wirtschaft.

Kersten Petzold gibt jegliches Lob an ihre Mannschaft weiter: "Ohne die zusätzliche Bereitschaft der Kollegen wäre das alles nicht möglich." Auch die Eltern, sagt sie, ziehen mit: "Wir stülpen das den Schülern nicht über." Was nun mit dem Preisgeld geschieht? Die Schulleiterin überlegt noch, aber eins ist klar: "Wir werden es mit Sicherheit für die Schüler einsetzen."

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 22.03.2011