Die gesamte Elite der Skispringer kauft bei Rass in Schönheide ein und holt – Medaillen.

Insgesamt 2.500 bis 3.000 Paar Skistiefel verlassen pro Saison die Produktionshallen von Rass Sportschuhe in Schönheide. (Foto: Rass/ Regionalmanagement Erzgebirge)
Insgesamt 2.500 bis 3.000 Paar Skistiefel verlassen pro Saison die Produktionshallen von Rass Sportschuhe in Schönheide. (Foto: Rass/ Regionalmanagement Erzgebirge)

Erzgebirgischer Sportartikel-Hersteller

Ob Olympische Winterspiele in Sotschi oder Fußball-WM in Brasilien – die Sportbegeisterung ist neben Räuchermännchen und Bergbau ein Markenzeichen für das Erzgebirge. Wer immer es bei den Wettbewerben auf den Sprungschanzen in Sotschi aufs Siegertreppchen geschafft hat – ein kleiner Hersteller von Sportschuhen aus Schönheide ist fast immer dabei. „Die gesamte Elite der Ski-Springer und Nordisch Kombinierer springt in unseren Schuhen“, sagt Tom Rass. Er ist Chef eines Unternehmens für Spezialsportschuhe mit rund 35 Mitarbeitern.

 

Bis zu 60 Paar pro Woche hat der Betrieb in der Zeit vor dem Großereignis ausgeliefert. Die auffälligen rot-weißen Schuhe sind das Markenzeichen von Rass. „Die kommen vor der Kamera am besten rüber“, sagt der 51-Jährige. „Aber wir stellen sie auch in anderen Farben her.“

 

Viel Technik-Doping kaum möglich

 

Bei Tom Rass genügt ein kurzer Blick auf den Medaillenspiegel: Ski-Springen, Nordische Kombination, Männer, Frauen, Team-Wettbewerbe. „21 Medaillen“, sagt er kurz. Der Durchbruch sei spätestens zu den Olympischen Winterspielen 2002 von Salt Lake City (USA) gekommen, als der bis dahin noch nahezu unbekannte Schweizer Skispringer Simon Ammann in Rass-Stiefeln die Goldmedaille auf der Normal- und Großschanze holte. Im Schrank glänzt ein Pokal – ein Geschenk des früheren Skispringer-Asses Jens Weißflog. An der Wand hängen Plakate mit Sportlern aus Österreich. Seit Jahren behauptet Tom Rass seine Marktführerschaft – dank ständiger Innovationen. „Das sind ja nicht einfach Schuhe, es sind Sportgeräte“, erklärt er.

 

Angefangen hatte es mit den Sportschuhen vor etwa 50 Jahren. Der Vater hatte sich in den 1960er-Jahren als Leistungssportler dem alpinen Ski-Sport verschrieben – Abfahrtslauf, Slalom. In der elterlichen Schuhmacherei wurden so zunächst Schuhe für die Alpinen und später Langlaufschuhe hergestellt. „Wir haben damit die DDR-Sportclubs und die DDR-Nationalmannschaft ausgerüstet.“ Rass erzählt: „Die haben mit unseren Schuhen damals schon Medaillen geholt.“ Das Unternehmen produziert aber auch Lauf- und seit etwa zwei Jahren Fußballschuhe für den Breitensport. Der Fußball-Verein FC Erzgebirge Aue gilt auch als wichtiger Werbeträger für die Region.

 

Doch der Spitzensport sorgt nicht nur in seinem Betrieb für volle Auftragsbücher. An der Technischen Universität in Chemnitz wird im Auftrag großer Sportartikelhersteller in Sachen Sportschuhe geforscht. Wissenschaftler tüftelten in den vergangenen drei Jahren am idealen Fußballschuh. „Wir wollten herausfinden, wie der Schuh designt sein muss, damit bei einem Vollspannschuss die höchstmögliche Ballgeschwindigkeit erzielt wird“, erzählt Falk Zaumseil, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Bewegungswissenschaften.

 

Mit einer Kamera wurden Highspeed-Aufnahmen gemacht und analysiert, die Geschwindigkeit des Balls gemessen, Bewegungsabläufe und mechanische Tests ausgewertet. Das Ergebnis: „Aus unserer Sicht muss der Fußballschuh aus möglichst elastischem Schaft- und Sohlenmaterial bestehen, damit der Spieler den Fuß vor dem Stoß weit nach unten durchstrecken kann“, sagt Zaumseil.

 

Das Projekt ist abgeschlossen, der Schuh vor wenigen Monaten neu auf den Markt gekommen. Nicht auszuschließen ist, dass diese auch von Spielern bei der Fußball-WM in Brasilien getragen werden. Zaumseil glaubt dennoch nicht, dass der richtige Fußballschuh und die Forschungen der Chemnitzer Wissenschaftler entscheiden können, wer Weltmeister wird. „So viel Technik-Doping ist im heutigen Fußball nicht mehr möglich.“

 

Quelle: dpa und sz-online