Der Traum vom Berghauptmann

Nach 20 Jahren als Chef des Sächsischen Oberbergamtes geht Reinhard Schmidt nun in den Ruhestand. Ein Kolloquium der TU Bergakademie würdigt heute seine Arbeit.

VON GABRIELE FLEISCHER

FREIBERG - Nach 20 Jahren heißt es für Reinhard Schmidt Abschied nehmen von seinem Büro im Sächsischen Oberbergamt an der Freiberger Kirchgasse. Mit seinem 65. Geburtstag geht er heute in den Ruhestand. Mehrere Kisten, vollgepackt mit Ordnern, hat er schon auf den häuslichen Dachboden an der Turnerstraße transportiert. Es sind persönliche Unterlagen, von denen er sich ungern trennt.

Trennen wird er sich auch von seinen Aufgaben nicht ganz. Schmidt, der aus einer Berg- und Hüttenmannsfamilie stammt, bleibt Berater für den Aufbau von Bergbehörden in Vietnam, Honorarprofessor an der TU Bergakademie mit zwei Wochenstunden zu Bergrecht und Bergbausicherheit und Vorsitzender des Hochschulrates an der Universität. Heute würdigt die Hochschuleinrichtung Schmidts Einsatz für den Bergbau in der Region mit einem Ehrenkolloquium.

Der Bergbau war es auch, der den 1946 in Oberhausen geborenen Schmidt schon als kleiner Junge faszinierte. Im Gegensatz zu vielen seiner Landsleute wusste er vom sächsischen Freiberg in der damaligen DDR schon früh. Beizeiten stand für ihn fest "Ich will Oberberghauptmann in dieser Stadt werden." Vor einem Jahr schaffte er es. Da ernannte ihn der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) zum Oberberghauptmann. Damit trat Schmidt, der die sächsische Bergbehörde vor 20 Jahren aufbaute und zentralisierte, die Nachfolge solcher Persönlichkeiten wie Abraham von Schönberg und Hans Carl von Carlowitz an. Und als er vor 20 Jahren zum Präsidenten des Oberbergamtes ernannt wurde, habe er sich trotz bereits aufgebauter Kontakte zum sächsischen Wirtschaftsministerium auf die öffentliche Ausschreibung hin beworben. Anders als bei seinem Nachfolger, wo man diese Ausschreibung unter den Tisch fallen ließ. Bei allem Auf und Ab in seinem privaten Leben - Schmidt war zweimal verheiratet, hat fünf Kinder und lebt jetzt mit der Journalistin, Psychotherapeutin und Autorin Astrid von Friesen zusammen - ist seine Erfolgsspur beim Aufbau der Bergbehörde stetig.

Allerdings, so räumt er ein, hatte er auch gute Fachleute an der Seite, sodass er seine Mannschaft zu 95 Prozent mit Leuten aus der Freiberger Region aufbauen konnte, als er die Behörde am 15. Dezember 1991 zum Laufen brachte. Damals mit 30, jetzt mit 76 Mitarbeitern, zwischenzeitlich waren es 100. In den 90er-Jahren boomten Bergwerksaufschlüsse bei Steinen, Erden und Baustoffen. Zwischen 1991 uns 1995 hatte sich die Fördermenge von Baurohstoffen verdreifacht. 600 neue Bergwerke seien in dieser Zeit bewilligt worden, zählt Schmidt auf. Nicht immer war das einfach, da es Eingriffe in die Landschaft waren. Von 650 Betrieben sei die Anzahl der baustoffproduzierenden Unternehmen wieder auf rund 300 gesunken.

 

"So spannend wie in Sachsen ist es nirgendwo in Deutschland."

Reinhard Schmidt Oberberghauptmann

Betätigungsfeld waren und sind der aktive Braunkohlenbergbau, die Sanierung der Wismut und der Braunkohlenbetriebe mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft. Allein 28 Tagebaue und 13 Brikettfabriken wurden saniert, mit Auflagen und Genehmigungen von der Bergbehörde. Trotzdem bleibt noch genug zu tun.

Nun wird Schmidt zwischen seinen Wohnorten in Freiberg und Dresden pendeln, sich um den Aufbau seiner Sammlung bergmännischer Geleuchte kümmern und ab und an im Oberbergamt vorbeischauen. Sachsen bleibt seine Wahlheimat. "So spannend wie hier ist es nirgendwo in Deutschland". Das bezieht er nicht nur auf das wieder einsetzende "Berggeschrey".

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 11.11.2011