Der etwas andere Wintersport-Event: „Arschleder-Wettruscheln“ im Erzgebirge

Julia Wick

Bisher hat der Winter etwas auf sich warten lassen, aber: Väterchen Frost wird – früher oder später – kommen, da sind sich die Wetterexperten einig. Wenn es endlich wieder soweit ist, dass eine weiße Schneedecke die Landschaften überzieht, geht die Wintersportsaison in eine neue Runde. Für diejenigen, denen der klassischen Wintersport nicht ausreicht, stellen wir hier ein Event der ganz besonderen Art vor.

Rodeln – ob groß ob klein, ob alt, ob jung: Mit dem Schlitten einen Schneehang runter zu sausen macht so ziemlich jeder Generation Spaß. Doch Rodeln funktioniert auch ohne Gefährt unterm Gesäß. Das „Arschleder-Wettruscheln“ ist in diesem Sinne die optimale Alternative zum herkömmlichen Schlittenfahren. Seit einigen Jahren veranstaltet der

Sehmataler Skiverein jährlich eine Weltmeisterschaft in dieser aufgefallenen Disziplin. Seinen Ursprung hat der Sport im Silberbergbau. "Die erzgebirgischen Bergleute rutschten auf Baumstämmen ins Bergwerk runter und ihre Hosen schützten sie dabei, indem sie sich ein Leder - das Arschleder – umbanden", erklärt Organisator Gerhard Päßler vom Skiverein Sehmatal e.V. Der Bergbau ist zum größten Teil erloschen, doch das Arschleder blieb und dient den Mitstreitern des abgefahrenen Wettkampfs heute als eine Art Sportgeräte.

Damit zumindest, was die Lederqualität betrifft, Chancengleichheit zwischen den Teilnehmern besteht, sind die Leder stets alle aus dem gleichen Material gefertigt, verspricht Organisator Päßler. Ob Sieg oder Niederlage liegt also voll und ganz beim Rodler, der eine gute Technik und Körperbeherrschung mitbringen sollte.

Der Stichtag in der diesjährigen Wintersaison ist der 12. Februar 2012, denn dann heißt es für alle siegeswilligen Teilnehmer im Sehmataler Ortsteil Neudorf: "Auf die Hosenböden, fertig, los!" Bereits einen Tag zuvor werden mit einem extra angefertigten Spezialhalbröhren-Ziehgerät die Bahnen für die Starter gezogen. Der Ablauf der Weltmeisterschaft ist dann simpel: Zuerst starten Gruppenweise jeweils vier Teilnehmer gleichzeitig. Doch nur die beiden schnellsten Rutscher können sich über den Einzug in die nächste Runde freuen. Im K.o.-System geht es solange weiter, bis in allen Klassen die vier Finalisten feststehen. In einem krönenden Finale messen sich die Elite-Arschrutscher dann ein letztes Mal, bis der Beste unter ihnen gekürt wird.

Bis zu 90 Ruschler sind bei Wettkämpfen in den vergangenen Jahren durch die Schneerinnen geschlittert und auch 2012 kann jeder mitmachen. "Dafür muss man sich lediglich am Wettkampftag von 10 bis 12 Uhr im "WM"-Organisationsbüro am Skilift anmelden. In dieser Zeit sind dann auch schon Trainingsläufe mit den originalen Wettkampfledern möglich, bevor es 13 Uhr mit dem tatsächlichen Wettkampf los geht", so Päßler über den Ablauf.

 

Quelle: LVZ-Online, 13.12.2011