China ordert Freiberger Technik

Der Siemens-Konzern hat aus China einen Auftrag zur Lieferung von acht Kohlevergasern erhalten. Die Anlagen wurden in Freiberg entwickelt.

VON CHRISTOPH ULRICH

FREIBERG/ERLANGEN - China will seine Abhängigkeit von Erdgas-Importen zur Energie- und Wärmegewinnung verringern. Dazu soll heimische Braunkohle verstärkt in ein Synthesegas umgewandelt werden. Die Chinesen stützen sich dabei auf eine Technologie und auf Anlagentechnik, die von der Siemens Fuel Gasification Technology GmbH in Freiberg entwickelt und konstruiert wurden.

Die jetzt bestellten Kohlevergaser in der Leistungsklasse 500 Megawatt sind für eine Kohlevergasungsanlage in Yili City in der Provinz Xinjiang bestimmt. Bereits in der ersten Ausbaustufe sollen rund zwei Milliarden Kubikmeter synthetisches Erdgas pro Jahr erzeugt werden. Auftraggeber ist der Energieversorger CPI Xinjiang Energy, eine Tochterfirma der China Power Investment Corporation, die zu den fünft größten Stromerzeugern Chinas gehört. Die Anlage soll 2014 in Betrieb gehen, teilte Siemens gestern mit.

"Der Auftrag für die Anlage in Yili City ist für uns ein großer Erfolg im hart umkämpften chinesischen Markt. Wir sehen das als Zeichen des Vertrauens in unsere Technologie und als Wertschätzung unseres Unternehmens", sagte Roland Fischer, Leiter der Unternehmenssparte Fossil Power Generation von Siemens Energy. Die Siemens-Kohlevergaser der 500-MW-Leistungsklasse zeichnen sich durch ihr robustes Design, hohe Verfügbarkeit bei geringem Serviceaufwand sowie kurze An- und Abfahrzeiten aus. Mit einer Länge von 18 Metern, einem inneren Durchmesser von drei Metern und mit einem Gewicht von 220 Tonnen zählen die Siemens-Kohlevergaser zu den größten und leistungsstärksten Vergasern, die zurzeit weltweit in Betrieb sind. Sie können bis zu 2000 Tonnen Kohle pro Tag verarbeiten.

In der Kohlevergasungsanlage in Yili City wird aus heimischer Hartbraunkohle ein Synthesegas erzeugt, das anschließend gereinigt, entschwefelt und in einer sogenannten Methanisierungsstufe in Erdgas umgewandelt wird. Dieses synthetische Erdgas erfüllt die strengen Anforderungen der Pipeline-Betreiber an den Reinheitsgrad und Heizwert, so dass es problemlos in die vorhandenen Erdgasleitungen eingespeist werden kann.

Die Siemens-Vergasungstechnologie kann unterschiedliche Brennstoffe wie zum Beispiel Kohle oder Raffinerie-Rückstände umwandeln. Ihre erste Bewährungsprobe bestand die Technologie bereits vor rund 30 Jahren beim Einsatz am Standort "Schwarze Pumpe" in Brandenburg. Im Jahre 2006 erwarb Siemens die Vergasungstechnologie und vermarktet sie seither weltweit.

Der Siemens-Sektor Energy ist der weltweit führende Anbieter des kompletten Spektrums an Produkten, Dienstleistungen und Lösungen für die Energieerzeugung, -übertragung und -verteilung sowie für die Gewinnung, die Umwandlung und den Transport von Öl und Gas. Im Geschäftsjahr 2010 (30. Sept.) erwirtschaftete der Sektor Energy mit mehr als 88.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 25,5 Milliarden Euro. Am Standort Freiberg beschäftigt Siemens etwa 80 Mitarbeiter.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 28.07.2011