Betriebe fordern und fördern den eigenen Nachwuchs früh

Turck Beierfeld GmbH und Curt Bauer GmbH in Aue stehen für eine tolle duale Ausbildung. Das bescheinigt ihnen die Industrie- und Handelskammer Chemnitz.

VON KATJA LIPPMANN-WAGNER

BEIERFELD/AUE - Sowohl das Elektronik-Unternehmen Turck in Beierfeld als auch der Auer Textilspezialist Curt Bauer bilden aus, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Darüber hinaus ziehen die Firmen im Bedarfsfall Industriekauffrauen und -männer heran.

"Der Nachwuchs muss aus unserer Lehrausbildung kommen", sagt Geschäftsführer Michael Bauer. Es sei fast aussichtslos, Fachkräfte auf dem freien Markt zu finden. Daher besitzen die derzeit zwölf Azubis in Aue gute Übernahmechancen. "Sofern die Leistungen stimmen", sagt der Chef des Textilunternehmens. Auch Andreas Hanisch weiß nur zu gut von sinkenden Bewerberzahlen. "Für 2011 hatten wir 20 Bewerbungen", so der Turck-Prokurist. Das sei wenig. Zumal mit zehn Lehrlingen so viele wie noch nie in Beierfeld eine Ausbildung begonnen haben.

Von denen kommen die meisten aus dem Altkreis Aue-Schwarzenberg. Wie Kevin Wendler. Einst hatte der Bockauer, der sich im vierten Lehrjahr befindet, zur Woche der offenen Unternehmen einen Rundgang bei Turck gemacht. Zudem absolvierte er ein Praktikum. "Die zweite Woche war ich in den Wasserwerken", so der 19-Jährige. Dass er sich für die Beierfelder GmbH entschied, lag an den Übernahmechancen. "Wirarbeiten eigenständig, bekommen viel Vertrauen." Felix Langer, Azubi im dritten Jahr, ist bereits 21. Er hat Abitur und wurde auf den Elektronikbetrieb durch eine Messe in Annaberg aufmerksam. "Die Firma hat in der Branche einen guten Namen", sagt der Mildenauer, der 2012 ein Bachelor-Studium beginnt - mit Turck als Praktikumspartner.

Um noch mehr auf die Bedeutung der Lehrzeit aufmerksam zu machen, wird Andreas Grieger ab 1. Januar zum Ausbildungsleiter ernannt. Schon jetzt kümmert er sich um den Nachwuchs. "Die jungen Leute werden gefordert und gefördert. Sie sollen sich in die Abteilungen integrieren, dürfen selbstständig arbeiten." Von Anfang an lernen sie, wie wichtig Qualität ist. "Sie müssen auch für Fehler Verantwortung übernehmen. Das erfordert Selbstvertrauen und ein gutes Betriebsklima", so Grieger.

Verantwortung tragen auch die Lehrlinge bei der Curt Bauer GmbH. Bevor sie ihre Chance erhalten, studiert ein vierköpfiges Gremium ihre Schulnoten. "Naturwissenschaftliche Fächer und Mathe sind wichtig", so Geschäftsführer Bauer. Christin Brabant, Auszubildende im Bereich Veredlung, überzeugte. "Meine Tante hat früher in dieser Firma gearbeitet, mir viel über den Betrieb erzählt", so die 20-Jährige. Auf Eigeninitiative ließ sich die Schneebergerin durchs Unternehmen führen. "Durch die Ausbildung schaue ich mir Produkte genau an - wie sie verarbeitet sind, aus welchen Materialien sie bestehen." Dass Lehrjahre keine Herren-Jahre sind, merkt Philipp Käßemodel, der seit zwei Monaten in dem Auer Textilbetrieb arbeitet. "Als Azubi muss man Sachen machen, die andere nicht gern tun." Für die Weberei entschied sich der Mitteldorfer, weil es ein fester Arbeitsplatz sei und er nicht auf Montage müsse. Zudem schätzt er die geistige und körperliche Herausforderung.

Beide Firmen - Turck Beierfeld und Curt Bauer - gehören am Samstag zu den Ausstellern der Ausbildungsmesse in der Sporthalle der Auer Neustadt.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger zeitung, 09.11.2011