Bergbau in der Region beflügelt auch die Forschung

Nicht nur Häuser und Stollen können Teil der Montanregion Erzgebirge werden. "Freie Presse" stellt weitere Facetten vor.

VON GUNTER NIEHUS

AUE/ANNABERG-BUCHHOLZ - Hätte es das Kaolin aus der "Weiße Erden-Zeche" in Aue nicht gegeben, wer weiß, ob die weltweite Erfolgsgeschichte des Meissener Porzellans hätte geschrieben werden können. Denn Ehrenfried Walther von Tschirnhaus entdeckte Anfang des 18. Jahrhunderts, dass der Rohstoff aus Aue besonders gut zur Herstellung der Keramik geeignet war. "Deshalb ist der Kaolinabbau in der ,Weiße-Erden-Zeche' wichtiger Bestandteil des Projekts Montanregion Erzgebirge", sagte Mitarbeiter Jens Kugler - in der Facette Bildung, Wissenschaft und Landespolitik.

Wissenschaft und Landespolitik - in beide Unterkategorien passt der Kaolinabbau. Denn die Innovation spülte in der Folgezeit jede Menge Geld in die sächsische Landeskasse - genau wie der Bergbau. Die Rechenbücher des berühmten Mathematikers Adam-Ries im Adam-Ries-Museum in Annaberg-Buchholz sind aus Kuglers Sicht ebenfalls ein wertvoller Teil dieser Facette. Inwiefern es sich dabei um Bildung oder Wissenschaft handelt, sei eigentlich Haarspalterei.

Ein Beispiel für den Einfluss des Montanwesens auf die Förderung der Wissenschaften bildet die 1765 von den Bergbeamten von Oppel und von Heynitz gegründete Bergakademie Freiberg. Sie war die erste höhere montanwissenschaftliche Einrichtung Sachsens und zugleich älteste Montanhochschule der Welt.

Ein weiteres Beispiel ist der Uranerzbergbau durch die SDAG Wismut vor allem im Revier Oberschlema. "In einer derart dicht besiedelten Region ist das sehr ungewöhnlich", schätzt Kugler ein. Hier wird der Rahmen des Bereichs Landespolitik freilich gesprengt. Der Uranabbau war Weltpolitik. Ähnliches gilt für die Entwicklung des Bergrechts. Dieses Gebiet sei vom Montanwesen im Erzgebirge nicht zu trennen. "In lokalen Abbaugebieten, so im Revier Schneeberg, entstanden gesetzliche Regeln, die für das sächsische Bergrecht beispielgebend wurden", sagt Kugler. Und in der Folge für jenes in ganz Europa.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 25.02.2012