"Bereicherung für die neuen Länder"

Zwei starken Frauen hat Freiberg ein neues Forschungsinstitut von internationalem Rang zu verdanken.

VON UWE KUHR

Dresden - "Das neue Rohstoffressourcen-Institut für Freiberg wird die

Forschungslandschaft in den neuen Bundesländern bereichern." Das erklärte gestern in

Berlin Bundesforschungsministerin Anette Schavan (CDU). "Es wird einen entscheidenden Beitrag für eine nachhaltige und sichere Rohstoffversorgung für Deutschland leisten." Ihr Ministerium, so Schavan, folge damit dem Votum einer internationalen Gutachterkommission, die den Wettbewerb um Konzept und Standort für diese Strategieeinrichtung von nationaler Bedeutung entschied. Sie favorisierte den gemeinsamen Vorschlag der TU Bergakademie Freiberg und dem Forschungszentrum Dresden-Rossendorf, das ab Januar in die renommierte Helmholtz-Forschungsgemeinschaft aufgenommen wird.

 

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) begrüßte die Entscheidung. Freibergs international anerkannte Kompetenzen bei der Erforschung und Gewinnung von Rohstoffen bis hin zu deren Veredelung auf nationaler Ebene zu nutzen, sei umso wichtiger, weil für eine Industrie- und Hochtechnologienation wie Deutschland Rohstoffe überlebenswichtig seien, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Das neue Institut wird an der TU Bergakademie Freiberg angesiedelt.

Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos), die sich für dieses Institut

bemerkenswert eingesetzt hatte, sieht durch die Kooperation von außer- und universitärer

Forschung zwischen der TU Bergakademie und den Forschern von Rossendorf die

wissenschaftliche Leistungsfähigkeit im Freistaat insgesamt deutlich gesteigert. "Davon

werden auch Wirtschaftsunternehmen auf Dauer profitieren."

Neben seiner globalen Ausrichtung schaut das neue Rohstoff-Institut auch ins Inland, wo

Erzvorkommen erneut unter die Lupe genommen werden. Das hat im Erzgebirge bereits

begonnen: Ein neues Bergwerk in Niederschlag bei Oberwiesenthal fördert ab 2011 Flussund Schwerspat. Bei Zinnwald sollen Lithium-Vorkommen erkundet und gemeinsam mit Tschechien ein Rohstoffkataster für das Grenzgebiet erstellt werden.

Für den Aufbau des Instituts, für das die Stadt Freiberg unentgeltlich Gebäude zur

Verfügung stellt, standen ursprünglich 5,5 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.

Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass das Bundesforschungsministerium seine Mittel noch aufstocken könnte. Von bis zu zehn Millionen Euro ist die Rede. Sachsen müsste sich jeweils mit einer Kofinanzierung von zehn Prozent beteiligen, was, wie die Dresdner Staatskanzlei erklärte, gesichert sei. Schavan und Tillich werden am 17. Dezember in Berlin weitere Details zur Juryentscheidung mitteilen.

Auch die Brandenburgische TU Cottbus geht als Zweitplatzierter in dem Wettbewerb nicht

leer aus. Sie profitiert vom Förderprogramm "Spitzenforschung und Innovation in den

neuen Ländern starten". Dabei wird das Vorhaben "GeoEn" in Potsdam und Cottbus

unterstützt, um eine solide Forschungsplattform für nachhaltige Energieversorgung zu

ermöglichen.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 07.12.2010