Auspuffschmiede präsentiert Weltneuheit

Die Firma M & M Exhaust aus der Kreisstadt zeigt ab nächster Woche auf dem Genfer Autosalon einen isolierten Titanauspuff für Straßenfahrzeuge. Der ist speziell für den Sportwagen Audi R8 entwickelt worden.

VON THOMAS WITTIG

ANNABERG-BUCHHOLZ - In gut einer Woche öffnet der Genfer Autosalon seine Pforten. Auf der weltweit als eine der wichtigsten Automobil-Fachmessen geltenden Schau ist auch das Erzgebirge vertreten. Dafür sorgt die Annaberg-Buchholzer Firma M & M Exhaust. Sie präsentiert laut Firmenchef Tilo Koch eine Weltneuheit. Dabei handelt es sich um eine spezielle Auspuffanlage für den Sportwagen Audi R8.

Den Auftrag dafür erhielt das Unternehmen im Herbst 2011 vom alteingesessenen Audi-Tuner Motorentechnik Mayer (MTM) aus Wettstetten bei Ingolstadt. An dessen Stand wird die Neuentwicklung in der Schweizer Metropole auch vorgestellt.

Nach Kochs Worten brauchte sein Team etwa sechs Wochen Entwicklungszeit, um ein Produkt vorzulegen, das die Vorgaben von MTM erfüllte. Und diese hatten es teilweise in sich, weiß der Geschäftsführer. So musste die erzgebirgische Auspuffschmiede unter anderem den Spagat hinbekommen, ein Aggregat zu fertigen, das einerseits wie ein Rennwagen röhrt, andererseits aber einen Lautstärkepegel liefert, für den es vom Tüv noch eine Straßenzulassung gibt. Zudem musste die Tatsache berücksichtigt werden, dass der Audi R8 über einen Mittelmotor verfügt. "Bei einer solchen Konstellation strahlt die heiße Auspuffanlage im Normalfall stark auf umliegende Aggregate. Diese sind somit einer hohen thermischen Belastung ausgesetzt, was auf Dauer zu Ausfällen führen kann und schon führte. Also hieß eine weitere Aufgabe für uns, das Hitzeproblem in den Griff zu bekommen. Und schließlich sollte der neue Auspuff auch möglichst leicht sein", so Koch.

Die Lösung heißt Titan

Letztere Anforderung löste das Team von M & M Exhaust durch den Einsatz von Titan. Das Metall bietet eine hohe Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit sowie ein geringes Gewicht. Konkret: Die Titan-Auspuffanlage bringt lediglich 13 Kilogramm auf die Waage, während ihr Äquivalent aus Edelstahl mit 29 Kilogramm mehr als das Doppelte wiegt. Um die im Inneren eines Auspuffs vorherrschenden Temperaturen von bis zu 900 Grad Celsius nicht nach außen zu transportieren, setzte das Annaberg-Buchholzer Unternehmen ein selbst entwickeltes Isoliersystem ein. Dabei handelt es sich um eine etwa vier Millimeter starke Matte, die noch einmal von einer hauchdünnen Edelstahlfolie ummantelt wird. "Damit schaffen wir es, dass der Auspuff außen nur noch eine Temperatur von etwa 60 Grad Celsius aufweist", sagt Koch. Diese Technik hat aber auch ihren Preis. Die Titan-Ausführung ist mit 7500 Euro angesetzt, derselbe Auspuff aus Edelstahl soll nur rund 3000 Euro kosten.

Dass die Neuentwicklung eine Straßenzulassung erhält sei insofern wichtig gewesen, da MTM vornehmlich Fahrzeuge von Endkunden tunt. Der neuentwickelte Auspuff passt dabei aber nicht nur an den Audi R8, sondern auch an den Lamborghini Gallardo, der über den selben Mittelmotor verfügt.

Perspektivisch sollen die Titan-Aggregate aus Annaberg-Buchholz aber auch im Rennsport Einsatz finden. Entsprechende Gespräche will Tilo Koch am Rande des Genfer Autosalons mit dem Verantwortlichen der Audi-Sportabteilung für den GT-Sport führen. Erfahrung auf diesem Sektor hat die erzgebirgische Auspuffschmiede in den vergangenen Jahren bereits ausgiebig gesammelt. So stattet M & M Exhaust auch in der bevorstehenden Saison der ADAC GT Masters wieder vier Corvette sowie zwei Ford GT2 aus. Bereits an diesem Wochenende starten in St. Wendel Ruben Zelter sowie Olaf Dobberkau jeweils mit einem Porsche und Auspuffanlagen aus Annaberg-Buchholz in die Deutsche Rallye Meisterschaft. Darüber hinaus stehen weitere Rennsport-Engagements wie die 24 Stunden von Daytona/USA fest im Kalender von M & M Exhaust.

Neubau im Frühjahr

Die rasante Entwicklung in den vergangenen Jahren hat inzwischen dazu geführt, dass das Unternehmen mit seinen elf Mitarbeitern inklusive Lehrling an der Grenze der Produktionskapazität angelangt ist. Mit einer Millioneninvestition soll diese verdoppelt werden. "Im Frühjahr wollen wir mit dem Bau einer neuen Halle beginnen. Der Grundstückskauf ist bereits erfolgt", erklärt Koch.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 29.02.2012