Aus Abfall wird Dünger – Recycling von Phosphaten gewinnt Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis

Die Preisträger des Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis 2012, darunter Prof. Martin Bertau, Instiut für Technische Chemie (2.v.r.). Foto: Deutschen Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Die Preisträger des Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis 2012, darunter Prof. Martin Bertau, Instiut für Technische Chemie (2.v.r.). Foto: Deutschen Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Für die Entwicklung eines Phosphordüngers aus Klärschlammasche ist Prof. Martin Bertau, Direktor des Instituts für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg, mit dem Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis der Deutschen Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ausgezeichnet worden. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis verlieh der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Dr. Bernhard Heitzer, am 29. November 2012 in Berlin. Gemeinsam mit drei weiteren Hochschulen und dem Unternehmen RecoPhos Consult GmbH entwickelte Prof. Bertau innerhalb von drei Jahren ein Verfahren, mit dem jährlich 8.000 Tonnen Phosphordünger zu handelsüblichen Preisen aus Klärschlammasche gewonnen werden können.

 

Prof. Bertau beschäftigt sich besonders mit der ganzheitlichen Nutzung sämtlicher Stoffströme, die bei der Aufarbeitung von Klärschlammaschen anfallen. Mit dem von ihm am Institut für Technische Chemie entwickelten Zero-waste-Konzept (Null-Abfall-Konzept) ist er ein Vordenker für zukünftige Entwicklung am Rohstoffmarkt. Ein Schwerpunkt für den Forscher der Ressourcenuniversität ist die Gewinnung von Wertstoffen aus Sekundärrohstoffen. Hierzu zählt das Recycling von Metallen und von Phosphat ebenso, wie die Germanium-Gewinnung aus Gärresten von Biogasanlagen. Phosphor ist neben Stickstoff der wichtigste Düngerbestandteil, doch im Unterschied zu Stickstoff kann er nicht künstlich hergestellt werden. Mineralphosphor ist als fossiler Rohstoff weltweit nur in begrenzter Menge verfügbar. Wie bei der Erdölgewinnung werden die Abbaukosten für Phosphor drastisch ansteigen, wenn erst der Punkt der maximalen weltweiten Fördermenge erreicht ist (Peak) und die Fördermengen von Jahr zu Jahr geringer werden.

 

„An der Entwicklung des neuen Verfahrens zur Düngemittelherstellung waren Naturwissenschaftler, Ingenieure und Abfallwirtschaftler beteiligt. Diese fachliche Konstellation führte letztendlich zum Erfolg. Unser neues Phosphordüngemittel erfüllt die Qualität eines konventionellen Produkts nach den Vorgaben der Düngemittelverordnung, wird aber aus einem Ausgangsmaterial gewonnen, das die meisten Menschen noch als Abfall ansehen“, sagt Prof. Martin Bertau.

Das vom Institut für Technische Chemie mitentwickelte RecoPhos-Verfahren ist das weltweit einzige industriell angewandte Verfahren für das Phosphat-Recycling.

 

In seiner Laudatio hob Staatssekretär Dr. Bernhard Heitzer hervor: „Die Preisträger zeigen, dass sich eine effiziente Nutzung von Rohstoffen für die Wirtschaft lohnt. Entlang der gesamten Wertschöpfungsketten können in allen produzierenden Branchen enorme Einsparungen erzielt werden. Davon profitieren Umwelt und Gesellschaft.“ Der Deutsche Rohstoffeffizienz-Preis wurde eingeführt, um den Stellenwert der Rohstoff- und Materialeffizienz und deren Effekte in der Wirtschaft stärker zu verankern. Er zeichnet herausragende anwendungsorientierte Forschungsergebnisse, rohstoff- und materialeffiziente Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen aus.