Auf dem Boden geblieben

Wo andere bloß drüber laufen, dafür entwickelt Gerd Kleditzsch Leidenschaft. Er ist Parkettbauer und sorgt ab nächster Woche dafür, dass die Besucher in einem berühmten Gebäude Sachsens wieder ordentlichen Grund unter den Füßen haben.

 

Pockau. Die Werkstatt von Gerd Kleditzsch steht beinahe versteckt im Hinterhof des Wohnhauses in Pockau. Nur eine schmale Straße führt dorthin, der weitläufige Garten ist gleich nebenan. Hier ist es gediegen. Der Geruch von frischen Sägespänen liegt in der Luft, und überall findet sich der Werkstoff, mit dem Kleditzsch und seine vier Mitarbeiter Fußböden in ganz Sachsen und darüber hinaus veredeln: Holz. Neben Rohmaterial verschiedener Stärken und Arten in langen Brettern aufeinandergestapelt liegen fertig bearbeitete Parkettstücke - jene Fußbodenart, die schon im Mittelalter in Europa bekannt war und heute trotz Teppichbelag, PVC und Fliesen immer noch hoch im Kurs steht.

"Parkett ist kein preiswerter Fußboden", sagt Kleditzsch. "Aber er ist hochwertig." Und vor allem nachhaltig. Das weiß der 52-Jährige aus eigener Erfahrung. Denn neben der Parkettfertigung ist er auch als Restaurator für Holzfußböden tätig. 

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Mitunter nutzt er dafür historische Pläne und Zeichnungen und fertigt in der Pockauer Werkstatt neue Parketttafeln, wenn alte entfernt werden müssen. Das älteste Bauwerk, an dem Kleditzsch gearbeitet hat, war ein Wohnhaus am Schneeberger Markt. "Das Holz für den Dielenboden ist im Jahr 1717 gefällt worden", sagt er.

Ganz so alt ist das Bauwerk seines kommenden Projekts zwar nicht, dafür aber um einiges berühmter: die Semperoper in Dresden. Dort werden die Pockauer nächste Woche das Parkett im Rundfoyer erneuern. Die 2500 einzelnen Tafeln wurden seit Mai zuhause in der Werkstatt gefertigt und liegen nun dort bereit, um in Dresden eingebaut und geschliffen zu werden...

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Der gelernte Drechsler kennt den Werkstoff schon von klein auf. Sein Vater hatte früher in jener Werkstatt als Böttcher gearbeitet. Dort hat Gerd Kleditzsch nach Lehre und Weiterbildung schließlich mitgearbeitet und unter anderem Schöpfeimer für die Sauna, Weinfässer und Pflanzenkübel gefertigt. Bis zur politischen Wende. "Dann brach das Geschäft weg und ich habe mir etwas Anderes überlegen müssen", so Kleditzsch.

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Quelle: Freie Presse vom 09.08.2018, Sven Wagner