Arbeitsmarkt für Schulleiter Pflichtfach

Der Mangel an Fachkräften nimmt immer weiter zu. Schüler sollen deshalb in Zukunft gezielter über Jobperspektiven in der Region informiert werden.

VON CHRISTIAN GESELLMANN

ANNABERG-BUCHHOLZ - Im August hatten sich 112 junge Erzgebirger um eine Lehrstelle als Einzelhandelskaufmann/-frau beworben. Nicht einmal halb so viele Ausbildungsplätze stehen jedoch zur Verfügung. Dass andererseits die Hälfte der 103 angebotenen Ausbildungsstellen für den Lehrberuf Zerspanungsmechaniker in der Region unbesetzt blieb, spricht Bände: Die Berufswünsche der Schulabgänger und der Bedarf der Betriebe passen oft nicht zusammen. Erstmals versammelten sich deshalb gestern Schulleiter des gesamten Erzgebirgskreises zu einer Tagung in Annaberg-Buchholz. Auf Einladung der Arbeitsagentur und der Sächsischen Bildungsagentur tauschten sie ihre Erfahrungen darüber aus, wie die Schüler am effektivsten auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet werden können. "Die Situation hat sich auf den Kopf gestellt. Erstmals haben wir weniger Bewerber als Ausbildungsplätze", sagte Gerhard Rohde, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Annaberg-Buchholz.

Ausbildungsmarkt steht Kopf

Mit Blick auf den Fachkräftemangel, den Rohde für die nächsten 10 bis 15 Jahre auf 25.000 fehlende Mitarbeiter beziffert, sagte er weiter: "Wir brauchen jeden Jugendlichen aus der Region." Bei der Schulleitertagung stellte die Arbeitsagentur die aktuellen Zahlen des Ausbildungsmarktes vor, aus denen sich die künftigen Schwerpunkte bei der Studien- und Berufsorientierung ergeben sollen. "Die Schulen, die Handwerkskammern und die Arbeitsagentur müssen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten", erklärte Brunhild Kurth, Leiterin der Sächsischen Bildungsagentur (SBA). Zu viel sei in der Vergangenheit "nebeneinander hergewurschtelt worden", so Rohde. Zudem werde oft am Markt vorbei studiert: "Eine Ausbildung zum Gymnasiallehrer mag ja für die Abiturienten attraktiv sein - in diesem Beruf werden sie in Sachsen aber kaum Perspektive haben. Hingegen können wir Mittel- oder Grundschullehrern schon fast eine Jobgarantie geben", so Kurth. Inzwischen entstehe bei den Betrieben ein Wettbewerb um Schulabgänger. "Die Unternehmen geben sich in den Schulen die Klinke in die Hand, weil sie hier um Auszubildende werben wollen", sagte Gert Töpfer, Schulleiter des Bildungszentrums "Adam Ries" in Annaberg-Buchholz.

 

Schulordnungen geändert

Die Schulleiter entwickeln daher auf Basis der Leitlinien des Kultusministeriums Berufsorientierungskonzepte. "Wir haben die Schulordnungen so geändert, dass sie offener sind auch für andere Bildungsträger", sagte SBA-Referentin Carola Dörfel . So könnten die Schulleiter vermehrt Besuche in Berufsinformationszentren und Unternehmen in den Lehrplan integrieren.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 05.10.2011