Actech baut mit Erfolg auf Sand

Um Maschinen- und Fahrzeugteile zu entwickeln, sind Prototypen unerlässlich. Eine Freiberger Firma hat sich auf die Entwicklung präziser Sandformen spezialisiert.

VON GREGOR KLAUDIUS

FREIBERG - Florian Wendt hat erfolgreich auf Sand gesetzt. Kurz nach der Wende meldete der Sachse eine neue Technologie für Spezial-Gussformen aus Sand beim Deutschen Patentamt in München an. Heute gehört seine Firma Actech zu den Top-Mittelständlern bundesweit. Beim Ranking einer renommierten Unternehmensberatung landete die Freiberger Spezial-Gießerei auf dem 17. Platz bei 1600 teilnehmenden Firmen. Gegründet wurde das Unternehmen in Kooperation mit der Technischen Universität Bergakademie Freiberg.

Bei der Technologie "Laser-Sintern von Croning-Formstoff" wird in einer Maschine Millimeter für Millimeter feinster Sand flach aufgetragen, um allmählich zu einer Gussform heranzuwachsen. Exakt 0,2 Millimeter misst eine Sandschicht. Nach jeder Aufschüttung härtet ein 200 Grad heißer Laser den Sand, der den Formstoff bildet. Gesteuert werden Laser und Sandverteiler von einem 3D-Computerprogramm, das die Gussform vorgibt. Je nach Teil dauert der Prozess zwischen 4 und 20 Stunden. Danach wird die Sandform in einem Ofen nochmals gehärtet, damit sie dem heißen Metall später standhält.

"So produzieren wir passgenaue Prototypen, und zwar viel schneller als das eine Serien-Gießerei kann", sagt Wendt. Die Idee dazu kam ihm, als er Anfang der 1990er-Jahre eine ähnliche Technologie in der Kunststoff-Industrie entdeckte. Wendt war so überzeugt von dem Projekt, dass er seine Stelle in einer Serien-Gießerei kündigte. Ein Jahr lang tüftelte der Ingenieur freiberuflich an dem Verfahren, das er 1994 zum Patent anmeldete.

Prototypen gefragt

Heute lassen nahezu alle großen deutschen Industrie- und Verkehrskonzerne Teile als Prototypen bei Actech gießen - vom Zylinderkopf und Motorblock über Turbolader- und Getriebegehäuse bis hin zu Radträgern und Badewannen-Auslaufgarnituren. Actech beliefert weltweit Autohersteller, Zulieferer, Hersteller von Flugzeugtriebwerken sowie Maschinen- und Anlagenbauer mit Prototypen. Diese sind laut Wendt deutlich günstiger und vor allem viel schneller verfügbar als von einer Serien-Gießerei. Ohne die Unterstützung der TU Bergakademie und von westdeutschen Wagniskapital-Investoren wäre Wendt damals aber nur schwer in die Gänge gekommen. Die Bergakademie stellte ihrem ehemaligen Studenten das Versuchsfeld ihres Gießerei-Instituts und Laboreinrichtungen zur Verfügung. Die Investoren und eine Beteiligungsgesellschaft des Bundes gaben zwei Millionen Euro Startkapital, eine Münchner Firma lieferte die beiden ersten Maschinen zur Gussformherstellung. "Ich konnte meine Unterstützer mit dem großen internationalen Bedarf überzeugen", sagt Wendt. Im Jahr 1995 startete Actech als erstes Unternehmen weltweit mit der Technologie. Drei Mitarbeiter werkelten in einem 70 Quadratmeter großen Büro- und Fertigungsraum eines Gründerzentrums. Die hohe Nachfrage nach den Spezialanfertigungen führte zu einer rasanten Entwicklung der Firma, die weiterhin eng mit der TU Bergakademie kooperiert. Bald schon reichte der Platz im Gründerzentrum und in der Bergakademie nicht mehr aus. 2001 zog Actech mit 80 Mitarbeitern an den heutigen Firmensitz in Freiberg. Später werden zwei Vertriebsstandorte in den USA und Indien gegründet. Bis Februar 2012 stieg die Mitarbeiterzahl auf 380, der Umsatz lag 2011 bei 33 Millionen Euro. Die Bergakademie habe seit der Wende etwa 35 solcher Firmengründungen mit zum Erfolg geführt, sagt TUTechnologiescout Matthias Fuhrland.

Bergakademie unterstützt

Junge Firmen könnten gegen eine Nutzungsgebühr die Infrastruktur und das Expertenwissen der TU nutzen. Insbesondere Studenten und Absolventen werde geholfen. Inzwischen gebe es gute Verbindungen zu Investoren und Banken, die neue und erfolgversprechende Technologien unterstützten, erklärt Fuhrland. Die Anfang der 1990er-Jahre begonnene Arbeit zahle sich zunehmend aus. Für Wendt war Actech dennoch auch mit glücklichen Umständen verbunden. "Ich hatte zum richtigen Zeitpunkt eine gute Idee und die passenden Partner", sagt der mehrfache Familienvater. Die Entwicklung der Firma wurde im Ranking der besten deutschen Mittelständler der Unternehmensberatung Munich Strategy Group gewürdigt. Dafür wurden die Leistungen der Betriebe in den Jahren 2005 bis 2010 untersucht. Im Vorwort zur Studie heißt es: "Es handelt sich nicht um Eintagsfliegen, die es in das Top-Ranking schaffen." (dapd)

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 06.03.2012