Für den Traumberuf von Niedersachsen ins Erzgebirge

01.10.2019

Mit einem kleinen Spanbaum, den Marilen Dreiers Eltern ihrer Tochter vom Dresdner Striezelmarkt mitbrachten, fing alles an. Ohne dieses Mitbringsel würde die junge Frau aus Celle in Niedersachsen wohl heute keine Ausbildung zur Holzspielzeugmacherin bei Wendt & Kühn absolvieren.

Ich habe mich schon immer für Miniaturen aus Holz interessiert, und als meine Eltern mir das Bäumchen schenkten, war ich unheimlich fasziniert. Im nächsten Jahr fuhr ich selbst auf den Weihnachtsmarkt und war hin und weg“, beginnt Marilen zu erzählen. Damals wusste sie noch nichts über das besondere Handwerk, das vor allem im Erzgebirge eine lange Tradition hat.

Wer macht so etwas? Ist das ein Hobby oder ein richtiger Beruf?

„Wer macht so etwas? Ist das ein Hobby oder ein richtiger Beruf?“, fragte sich die Schülerin zunächst. Recherchen brachten Licht ins Dunkel, und kurze Zeit später schrieb sie Briefe an Unternehmen der Branche. Wendt & Kühn lud zum Praktikum ein, und die damals gerade einmal 16-Jährige machte sich auf den weiten Weg ins 400 Kilometer entfernte Grünhainichen, um die Abteilungen der Manufaktur kennenzulernen. Zwei Jahre später reiste sie erneut ins Erzgebirge. Diesmal waren ihre Koffer größer – und sie würde bleiben. Marilen hatte die Schule beendet und sich bei Wendt & Kühn um eine Ausbildung zur Holzspielzeugmacherin beworben. „Durch mein Praktikum ein gewisses Heimspiel – trotz Ferne“, lächelt die Niedersächsin. Zwar hatte sie in der Schulzeit in verschiedene Berufe hineingeschnuppert, doch fand sie für sich keinen, in dem sie ihre Kreativität einfließen lassen konnte. Und so war sie überglücklich, als sie den Zusage-Brief erhielt.

Ich hatte immer das Gefühl, dass es mir das wert ist.

Und doch kamen ihr manchmal Zweifel, ob sie sich richtig entschieden hatte. Wenn Freunde skeptisch fragten, was das denn für ein Beruf sei. Bei dem Gedanken an die erste eigene Wohnung. Bei 400 Kilometern Entfernung von der Familie. Die junge Frau, die sich selbst eher als „unmutig“ bezeichnet, blieb bei ihrem Entschluss: „Ich hatte immer das Gefühl, dass es mir das wert ist.“ Ihre Eltern stehen hinter ihr und helfen, wo sie können. Auch auf ihre Lehrmeister und die Nachbarn kann sie zählen.

Wendt & Kühn KG

Chemnitzer Straße 40

09579 Grünhainichen

Fon : +49 37294 86 0

Email : info@wendt-kuehn.de

https://www.wendt-kuehn.de/

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Inzwischen hat für Marilen das zweite Lehrjahr begonnen, Theorie- und Praxisphasen wechseln sich ab. Die Berufsschule befindet sich in Seiffen und ist die einzige Holzspielzeugmacher- und Drechslerschule in ganz Deutschland. Hier werden in persönlicher, fast schon familiärer Atmosphäre sowohl die theoretischen als auch praktischen Inhalte der dreijährigen Ausbildung vermittelt, welche als Verbundausbildung durch den Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. durchgeführt wird. Bei Wendt & Kühn lernt Marilen derzeit in der Malerei und berichtet stolz, dass sie gerade winzige Kaffeemühlen mit feinen Linien verziert. Tipps erhält sie von der Malerei-Meisterin höchstpersönlich, in deren Abteilung es ihr besonders gut gefällt, denn: „In der Malerei kommt Leben in die Figur.“

Es macht mich stolz, solch einen traditionsreichen und zugleich seltenen Beruf zu lernen.

Marilen Dreiers Ausbildungsstätte ist die Holzspielzeugmacher- und Drechslerschule in Seiffen. / © Sandi Wermes Fotografie
Marilen Dreiers Ausbildungsstätte ist die Holzspielzeugmacher- und Drechslerschule in Seiffen. / © Sandi Wermes Fotografie

Bis heute ist Marilens Begeisterung für ihren Traumberuf ungebrochen: „Jede einzelne Figur geht durch so viele Hände – das fasziniert mich. Und es macht mich stolz, solch einen traditionsreichen und zugleich seltenen Beruf zu lernen.“ Auch ihre Freunde, die sie oft in Grünhainichen besuchen und denen sie dann in den Vitrinen der Wendt & Kühn-Welt zeigt, an welchen Figuren sie mitgearbeitet hat, sind inzwischen bestens über den außergewöhnlichen Beruf im Bilde und beneiden sie nicht nur der schönen Landschaft wegen um ihren Ausbildungsplatz. „Ich glaube, meine Begeisterung ist ansteckend“, gesteht Marilen verschmitzt.

Text & Fotos oben im Artikel: Wendt & Kühn KG

Foto unten im Artikel: Sandi Wermes Fotografie


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