homeward Festival / © homeward Festival

Bleib doch, wenn es Dir gefällt

09.01.2019

Das homeward Festival: Ein schickes, familiäres Festival im Erzgebirge. Magda Lehnert hat mit den Machern der Veranstaltung gesprochen, die 2019 in die dritte Runde geht.


Wir wollten ein Festival machen, auf das wir selber Bock haben.

Stephanie Mittelbach begrüßt mich in ihrer pittoresken Altbauwohnung, ihrer Rumpelkammer, wie sie sie selbst nennt. Als wäre sie die Sonne höchstpersönlich, die versucht, den grauen Herbsttag zu erleuchten, lädt sie mich strahlend in die Küche ihrer Wohngemeinschaft auf eine Tasse Kaff ee ein. Grund meines Besuchs: Das homeward FESTIVAL im erzgebirgischen Niederwürschnitz. Stephanie ist in ihrer Rolle als Pressesprecherin neben etwa 25 weiteren Mitgliedern Teil des Organisationsteams. „Immer, wenn es darum ging, irgendwo ein Gesicht hinzuhalten, habe ich das gemacht”, erklärt sie ihren Job.

Stephanie Mittelbach / © Haus E / Regionalmanagement Erzgebirge

Das homeward FESTIVAL fand 2017 zum ersten Mal an drei Tagen im Juli auf dem Gelände der Alten Ziegelei in Niederwürschnitz statt. Organisiert von einer Gruppe Christen, gab es verschiedene Workshops, alternative Gottesdienste und Seminare – am Abend wurde mit Bands und DJs aus ganz Deutschland zu Metalcore, Punkrock, Techno oder Singer-Songwriter-Auft ritten getanzt und gefeiert. Die Seminare und Workshops drehten sich um Themen wie Sport, gesunde Ernährung, Selbstbewusstsein und Gebet. „Du pflegst bewusst Geist und Seele, lässt dich inspirieren und fi ndest heraus, wer du selbst bist, wie deine Verbindung zu einer spirituellen Ebene aussehen kann und auf der anderen Seite kannst du feiern, tanzen und einfach ausrasten”, fasst Stephanie das Programm zusammen. Trotz der thematischen Ausrichtung des Festivals war es den Veranstaltern ein Herzenswunsch, ihr Festival nicht nur für Christen zu organisieren. „Wenn nur Christen gekommen wären, wäre das absolut nicht in unserem Sinn gewesen”, sagt Stephanie. Deshalb steht im Flyer: „Wenn Du aber auf den [christlichen] Teil überhaupt keinen Bock hast, ist das kein Problem. Dann kannst Du die Vorurteile einfach beiseitelegen, trotzdem kommen und Zeit mit alten oder neuen Freunden verbringen.”

Trotz der Vorurteile, mit denen Stephanie und die anderen Christen des Organisationsteams gelegentlich umgehen müssen, wollten sie sich und ihren Glauben nicht verstecken und zeigen, wer sie sind und was sie gern tun. „Wir hatten Bock ein christliches Festival zu organisieren und schmieren das den Leuten in unserem Flyer auch ganz ehrlich aufs Brot. Trotzdem wollten wir kein Festival, bei dem einem die Devise ´Wir leben als Christen´ zum Hals raushängt”, fügt Stephanie hinzu.

Es sollte sich auch ganz viel um Musik drehen, um Party, ums miteinander Essen, Quatschen und Rumsitzen, ums Skaten, um Autos, um die Mischung aus all unseren Leidenschaften.

Ganz im Sinne des Namen ´homeward´ ging es den Veranstaltern darum, für sich und die Gäste ein Zuhause zu schaff en, „einen Raum, in dem du sein kannst, wie du willst, in dem du deine Vorurteile und das Bedürfnis nach Abgrenzung einfach beiseite legst und wo du gemeinsam mit anderen Menschen ein schönes Wochenende verbringst”, erklärt sie mir. Unterstützt haben die Organisatoren die Idee durch die Veranschlagung des Eintrittspreises von 25 Euro auf freiwilliger Basis, ganz nach dem Motto: „Komm doch rein, schau dich um, iss ein Würschtel und bleib, wenn es dir gefällt. Bei welchem Festival kannst du das schon”, fragt mich Stephanie stolz. Der Plan ging auf: „Es war ein wildes Publikum”, erinnert sie sich. Es kamen viele Leute aus Jugendkreisen der Umgebung, Freunde, aber auch einige Gäste, die lange Fahrtwege auf sich genommen haben, um das homeward FESTIVAL zu erleben. „Der Typ aus dem Dorf nebenan, der nur mal reinschauen wollte, hat zwischendurch ekstatisch mitgetanzt”, erzählt sie lachend. Immer wieder gingen Besucher zur Kasse, um dann doch ihren Eintritt zu bezahlen.

See you again

Was mit der wahnwitzigen Idee „es wäre doch toll, wenn wir selbst ein Festival organisieren würden” begann, entwickelte sich in wenigen Monaten und einer kleinen Gruppe von gerade einmal 25 Organisatoren zu einer neuen Veranstaltungsgröße im Erzgebirge. 1.000 Leute kamen zur ersten Auflage 2017 um gemeinsam zu feiern – Christen wie Nicht-Christen, sodass am Ende gar keine Schubladen mehr nötig waren.

Den Großteil des eingenommenen Geldes spenden die Veranstalter im Namen des Vereins homeward, den sie während der Planungsphase gründeten, einem gemeinnützigen Projekt. Einen kleinen Teil aber behält sich das Team fürs kommende Jahr. Denn 2019, vom 18. bis 21. Juli, soll die dritte Ausgabe des Festivals stattfinden und die Alte Ziegelei in Niederwürschnitz für vier Tage zu einem bunten Zuhause für alle machen.



Magazin „Herzland“

Diese Gechichte erschien zuerst im Magazin „Herzland - Gedacht.Gemacht.Erzählt“. Hier kannst du das gesamte Magazin online lesen, als PDF herunterladen oder gedruckte Exemplare nach Hause bestellen.

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