Erzgebirge glänzt als Ländle des Ostens

Heute geht die Leipziger Industriemesse "Intec/Z" zu Ende. Sie zeigt, dass viele Firmen der einstigen Bergbau-Region Anschluss an die Weltspitze halten. Oft sind gerade die Kleinen vorn mit dabei.

VON FRANK HOMMEL

AUE/LEIPZIG - Das Erzgebirge entwickelt sich zu einer Art Baden-Württemberg im Kleinen. Einem Kreativ-Pool, in dem Technologien für die Welt von morgen erdacht werden. Und die Welt zeigt sich interessiert. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls die Leipziger Industriemesse "Intec/Z", die heute zu Ende geht. Intec steht für Fertigungstechnik, Z für Zulieferindustrie. Zum Abschluss kommt Landrat Frank Vogel (CDU) vorbei. Die meisten der rund 40 Aussteller aus dem Erzgebirgskreis werden ihm von einer Messe berichten, auf der sie Aufmerksamkeit erregen, Kontakte knüpfen und Geschäfte anbahnen konnten.

Ein solcher Erfolg hat Gründe. "Der Vergleich mit Baden-Württemberg ist gar nicht mal so weit hergeholt", sagt Katrin Viertel. Sie ist Geschäftsführerin der Hugo Stiehl GmbH Kunststoffverarbeitung Crottendorf. Viertel: "Das Erzgebirge ist eine Hightech-Schmiede." Das liegt auch an der Struktur: "Der Mittelstand ist ausgeprägt. Es gibt viele kleine Firmen, in denen getüftelt wird. Wie früher in den Hinterhöfen. Auch wenn es heute natürlich keine Hinterhöfe mehr sind."

Ihr 200-Mitarbeiter-Betrieb investiert in die Zukunft. In Leipzig stand etwa das In-moldlabeling mit auf der Angebotspalette. "Das ist ein spezielles Spritzgießverfahren", erklärt Viertel, "denken Sie an einen Messbecher. Die Skala wird nicht mehr aufgedruckt, sondern direkt beim Guss mit einer Folie eingebracht". Vorteil: "Sie müssen das Werkstück nicht noch ein weiteres Mal in die Hand nehmen."

In eine neue Laserschneidanlage investierte im Herbst die Laser-Tech Olbernhau GmbH. "Wir haben uns ordentlich gestreckt", sagt Heinz Zickmantel, der technische Geschäftsführer. "Das langt jetzt für die große Gewichtsklasse." Mit 25 Mitarbeitern sind die Olbernhauer vergleichsweise klein. Doch dank einer regionalen Kooperationskette bieten sie nicht nur Teil-, sondern auch Komplettlösungen an. Dieser Strategie hilft die Messe weiter. Zickmantel: "Wir haben zum Beispiel ein Unternehmen aus Brand-Erbisdorf kennengelernt. Zwischen uns liegen nur 27 Kilometer. Aber wir wussten beide bisher nichts voneinander. Gut vorstellbar, dass wir nun irgendwann zusammenarbeiten."

Auch Kai Günther ist zufrieden. Seine Firma, die 2003 von Stollberg nach Lößnitz umzog, bietet Schleif- und Poliertechnik. "Wir schreiben das Thema Service groß", umreißt er das Rezept. So behauptet er sich trotz Konkurrenz von Branchenriesen als Kleiner am Markt. Und nicht nur das. Als er die Firma übernahm, war er allein. Heute beschäftigt die Firma zehn Mitarbeiter, zählt VW und Audi zu den Kunden und liefert bis Südafrika. Die Lößnitzer haben spezielle Schleifscheiben entwickelt, die sie heute selbst von einem Zulieferer herstellen lassen.

Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Emes Kabelbaum Konfektions GmbH Hohndorf, MBS Lengefeld, MSM Hänel GmbH Schwarzenberg, Gazima GmbH Grünhain, Normteile Lindner GmbH Ehrenfriedersdorf - sie alle haben mit innovativer Technik auf der Messe geglänzt. Und so dazu beigetragen, die Marke Erzgebirge stärker mit eben jener Technik zu verbinden.

Das bestätigt auch Heike Friedrich, die den Gemeinschaftsstand der Wirtschaftsförderung Erzgebirge betreut. Friedrich: "Von diesem Image profitieren die Firmen."

 

Quelle: Freie Pressa, Ausgabe Annaberger Zeitung, 04.03.2011