Vom Räucherkerzchen zur modernen Maschinenbaufirma

Auf 57 ist die Zahl der "Botschafter des Erzgebirges" angewachsen. Größen aus Sport, Politik und Wirtschaft zählen dazu. Auch Jürgen Huß aus Neudorf, der Tradition und Moderne verknüpft, ist einer der ERZ-Repräsentanten.

VON THOMAS KAUFMANN

NEUDORF - Als Erzgebirgsbotschafter fühle er sich schon, hänge es aber nicht an die große Glocke "Ich bin niemand, der jetzt mit einem Umhängeschild rumläuft, wo draufsteht: ,Ich mach' was für's Erzgebirge.' Ich werde nicht mehr machen als vorher", erzählt Jürgen Huß nahezu kühl und doch ist es, wenn man ihn und sein Wirken kennt, mehr als eine Spur von falscher Bescheidenheit. Innerhalb von 15 Jahren hat der Neudorfer Beachtliches für die hiesige Region geleistet.

Schon mit der Fortführung der einst um 1930 von Großvater Kurt Huß eingeführten und von Vater Siegfried fortgesetzten "Weihrichkarzl-Tradition" hat sich der heute 51-Jährige zu seiner Heimat bekannt. Mit den schwarzen Kegeln, die angesichts der Stückzahlen schon lang nicht mehr in Handarbeit produziert werden, verbreitet er 100.000-fach weihnachtliche Düfte, die weit über die Erzgebirgsgrenzen hinaus in den Wohnzimmern für wohlige Stimmung sorgen.

"Mittlerweile verfügen wir über drei Standbeine", so Jürgen Huß, der Anfang der 1990er Jahre damit begann, einen für den ersten Moment etwas ungewöhnlichen Gewerbezweig mit der Räucherkerzenherstellung zu verbinden. Huß, der 1996 seine Prüfung zum Maschinenbaumeister erfolgreich abschloss, entwickelte einerseits Hilfsmittel, die die Räucherkerzen-Produktion verbessern sollten. Andererseits begann er allerhand aus Metall zu fertigen, darunter natürlich auch Zubehör in Gestalt von Räucheröfen oder -pyramiden, die sich entsprechend mit den Neudorfer "Weihrichkarzln" kombinieren lassen.

1999 folgte der Umzug ins Neudorfer Gewerbegebiet, in dessen Zuge einstige LPG-Ställe zu einem modernen Firmenstandort umfunktioniert wurden. "Technologisch sind wir sehr gut aufgestellt. Auch unser humanes Potenzial, die so genannte ,Man-Power' kann sich sehen lassen. Unsere Belegschaft ist erfahren, dennoch sind wir nicht überaltert", so der Neudorfer, der derzeit um die 80 Mitarbeiter beschäftigt. Als jüngstes Kind sei die Schauwerkstatt "Zum Weihrichkarzl" zu nennen, die seit dem Sommer 2007 einlädt, sich auf die Spur des Duftkegels zu begeben und sogar selbst welche zu formen.

Auf bis zu sechs Messen, darunter die "Hannover Messe" Anfang April, ist die Firma Huss vertreten. Dann hofft den Chef auch auf den Durchbruch für seine neueste Erfindung: einen Fallrohrfilter, der eine Regenwassernutzung selbst bei schwachen Niederschlägen ermöglicht. "Eigentlich gibt es 1000 Ideen, aber kaum Leute, diese Ideen auch umzusetzen", wünscht sich der Unternehmer, der vor zehn Jahren einen Hut, ein weißes Hemd und Lederhosen zu seinem Markenzeichen gemacht hat, eine starke Region, in der auch junge Leute eine Heimat finden. Um das Erzgebirgische als Muttersprache zu erhalten, gibt es für alle auf dem Betriebshof die Anordnung: "Mir redn arzgebirgisch." Zudem sei es ihm wichtig, die guten, althergebrachten Dinge und die Erzgebirgs-Landschaft zu bewahren.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 14.03.2011