Solar-World beendet Billig-Strategie

Der Solarhersteller hat seine Anteile an einer Fertigung in Südkorea verkauft, um sich auf die Produktion in den USA und in Deutschland zu konzentrieren.

VON CHRISTOPH ULRICH

BONN/FREIBERG - Der Bonner Solar-World-Konzern will sich als Hersteller von Solarstrommodulen noch stärker auf das Premiumsegment fokussieren und verabschiedet sich deshalb von seiner Fertigung im Billiglohnland Südkorea. Die dortige Fertigung in einem Gemeinschaftsunternehmen (Joint venture) wurde gewinnbringend verkauft, teilte die Solar-World AG gestern mit.

Damit entscheide sich der deutsche Hersteller gezielt für die Produktion an Standorten mit höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards, hieß es. Die Kapazitäten des Konzerns in Freiberg und in den amerikanischen Produktionsstandorten Camarillo (Kalifornien) und Hillsboro (Oregon) würden aktuell erweitert. Ende des Jahres würden die Modulfertigungen dort zusammen auf mehr als ein Gigawatt Produktionskapazität hochgefahren sein, teilte das Unternehmen mit.

Konsequente Premium-Strategie

"Wir führen unsere Strategie konsequent fort, unser Produkt an Premiumstandorten herzustellen", sagte der Vorstandschef von Solar-World, Frank Asbeck: "Eine Solarstromanlage ist eine Investition für Generationen. Wir garantieren 25 Jahre gesicherte Leistung. Die Lebensdauer unserer Solarstromanlagen liegt noch weitaus höher. Das lässt sich nicht garantieren, wenn man auf Billigstandorte setzt", meinte Asbeck.

Erst vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen in Freiberg eine voll automatisierte und hoch effiziente Produktionsstätte für Solarmodule in Betrieb genommen, mit welcher der Bonner Konzern den Kostenvorteilen der chinesischen Konkurrenz trotzen will. Künftig können in der neuen Fabrik täglich 6000 Module hergestellt werden. Die jährliche Kapazität der Freiberger Modulproduktion steigt durch den Start der sogenannten "Solar-Factory III" von 170 auf 600 Megawatt. Solar-World hat rund 75 Millionen Euro in die neue Fertigungsstätte investiert. Künftig sollen dort etwa 320 Mitarbeiter beschäftigt werden. Insgesamt hat Solar-World in Freiberg derzeit rund 1900 Mitarbeiter, darunter etwa 500 Zeitarbeiter.

Gegen den Trend der Branche

"Die sehr gute Fertigungsqualität in Freiberg ist seit mehr als zehn Jahren ein Garant für unsere Qualitätsprodukte", sagte Asbeck, damals zur Eröffnung der neuen Fertigungsstätte. Freiberg und Hillsboro (USA) würden auch künftig die beiden wichtigsten Standorte sein, an denen weiter investiert werde.

Der Bonner Solarkonzern wendet sich damit gegen einen Trend in der Fotovoltaik-Branche. Es gibt zahlreichen Wettbewerber, die ihre Produktion aufgrund vermeintlich niedrigerer Lohnkosten nach Asien verlagern. Vorstandschef Asbeck setzt dagegen lieber auf moderne Fertigungstechnologien. Der Lohnkostenanteil liege bei den High-Tech-Produkten von Solar-World unter zehn Prozent und sei damit nicht der entscheidende Faktor, hieß es gestern aus dem Unternehmen. Vorstandschef Asbeck: "Hier setzen wir lieber auf Top-Fachkräfte an Top-Standorten ."

Angesichts stetig sinkender Produktkosten gewinnen vor allem die Transportkosten zunehmend an Bedeutung. Diese sind auf dem Weg von Asien nach Europa und in die USA deutlich höher als auf dem umgekehrten Weg, den internationale Containerschiffe häufig leer zurücklegen. Daher wird Solar-World den wachsenden asiatischen Markt künftig aus den USA und aus Deutschland mit Solarstromtechnik beliefern. Den größten Absatzzuwachs erwartet das Unternehmen in diesem Jahr in den USA.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 30.06.2011