Röntgenauge ersetzt flinke Jungen

An der Chemnitzer Straße in Freiberg soll das neue Helmholtz-Institut für Ressourcentechnologie aufgebaut werden. Einiges von dem Geplanten gibt es dort bereits - bei der UVR FIA GmbH.

 

VON STEFFEN JANKOWSKI

 

FREIBERG: Wo früher im Bergbau Klaubejungen an der Scheidebank standen und erzhaltige Brocken aus dem Gestein pickten, setzt die Freiberger UVR-FIA GmbH heute auf Röntgenaugen und Pressluft. Die 26-Mann-Firma entwickelt für das in Niederschlag bei Oberwiesenthal entstehende Fluss- und Schwerspat-Bergwerk ein computergestütztes Aufbereitungsverfahren. 

 

"Das Gestein wird bis auf acht Zentimeter zerkleinert und auf einem breiten Förderband über eine Röntgenquelle geführt", erläutert Henning Morgenroth, einer der beiden Geschäftsführer. Eine Kamera erfasst in Sekundenbruchteilen die Stücke, die sich für die Weiterverarbeitung lohnen. Die anderen werden per gezieltem Luftstrahl aussortiert und können gleich wieder in den Berg zurückgebracht werden. "Die großen Halden mit taubem Material wird es in modernen Bergwerken nicht mehr geben", ist der 52-Jährige überzeugt.

 

Das Know-how der Firma resultiert aus einer über 50-jährigen Tradition. Denn das FIA im Firmennamen erinnert an das 1954 gegründete Forschungsinstitut für Aufbereitung. In dem Komplex an der Chemnitzer Straße tüftelten zu DDR-Zeiten bis zu 400 Mitarbeiter an Verfahren zur Aufbereitung bergmännisch gewonnener und industriell hergestellter Feststoffe. Das FIA war zum 31. Dezember 1991 geschlossen worden. Teile der Belegschaft übernahm die Bergakademie, zudem gründeten sich die Wissenschaftlich-technische Gesellschaft FIA und die Gesellschaft für Umweltverfahrenstechnik und Recycling (UVR) aus. Die beiden Vereine kauften die FIA-Ausrüstung und mieteten gut ein Drittel der insgesamt 9500 Quadratmeter Labor-, Versuchs- und Büroflächen an. 1996 gründeten sie die UVR-FIA GmbH mit rund 35 Mitarbeitern. "Wir haben nahtlos weitergemacht", erinnert sich Hanspeter Heegn an die Zeit nach der Wende.

 

Der Professor ist auch als Rentner noch beratend für die Firma tätig. So müssen die bis zu 0,2 Millimeter großen Fluss- und Schwerspatpartikel aus den Brocken gewonnen werden, die das Röntgenauge erspäht hat. Dafür wird das Material fein gemahlen und in eine schäumende Flüssigkeit gegeben; die wertvollen Bestandteile schwimmen oben und können "abgefischt" werden. Solche Flotationsverfahren seien keine neue Erfindung, weiß Geschäftsführer Morgenroth: "Sie müssen aber für jede Lagerstätte angepasst werden, und das ist keineswegs trivial." Die Spezialität der UVR-FIA GmbH sei es, verschiedene Stoffgemische zu trennen, nennt Morgenroth die geplante Lithium-Gewinnung im Zinnwalder Revier und das Recycling von Lithium-Batterien als weitere Beispiele.

 

Dabei kann seine Firma auch testen, ob ihre Ideen in der Praxis funktionieren. Im Technikum werden dafür Pilotanlagen aufgebaut, die bis zu einer Tonne Material pro Stunde verarbeiten können. Als Aufbereitungs-Praktiker erwartet die Firma, die einen Jahresumsatz von 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet, ihren neuen Nachbarn an der Chemnitzer Straße mit großer Spannung. "Mit dem Helmholtz-Institut für Ressourcentechnologie ergeben sich intensive Möglichkeiten zur Kooperation", urteilt Morgenroth. Vorgespräche habe es dazu bereits gegeben. Immerhin soll das neue Institut, das gemeinsam von der Bergakademie und dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf geführt wird, unter anderem Technologien zur Erkundung, Gewinnung und Nutzung mineralischer und metallhaltiger Rohstoffe erforschen. "Auf dem Gebiet sind wir seit Jahrzehnten tätig und in der internationalen Fachwelt bekannt", betont Henning Morgenroth.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 22.06.2011