McDonald's, VW & Co. tragen sächsische Handschrift

Auch in konjunkturell weniger rosigen Zeiten zu investieren, hat sich für Steffen Bellmann ausgezahlt. Früher ein zwei Mann-Betrieb, ist sein Metallbau-Unternehmen heute Partner für internationale Konzerne.

Von Ramona Nagel

Brand-Erbisdorf - Das Foto ist 20 Jahre alt. Es zeigt den jungen Firmenchef mit seinem einzigen Mitarbeiter. Beide halten eine weiße Kunststoffhaustür in die Kamera. "Mit Fenster und Türen haben wir angefangen", sagt Bellmann. Er stammt aus einer Handwerkerfamilie mit einer 100 Jahre langen Tradition im Metallbau. Diese will der Schmiede- und Schlossermeister fortsetzen und gründet in Zethau (Kreis Mittelsachsen) die heutige Alusysteme-Metallbau Bellmann GmbH. "Ich wollte ein Alleinstellungsmerkmal für die Firma", war damals seine Vision.

 

Das junge Unternehmen profitierte von dem Sanierungs- und Neubauboom in Ostdeutschland und entwickelte sich rasch. Fenster, Türen und Wintergärten waren bei privaten und öffentlichen Bauherren sehr gefragt. Eher zufällig wurde Bellmann auf ein Grundstück in einem Gewerbegebiet in Brand-Erbisdorf aufmerksam. Es liegt genau an der viel befahrenen Bundesstraße 101 und wesentlich näher an der Autobahn als der Standort Zethau. Seit 1994 ist hier der Firmensitz. Steffen Bellmann nutzt die Möglichkeiten zum Wachstum. Er kaufte den insolventen Hersteller von Kunststoff-Türen und -fenstern FTM in Mulda und verlagerte die Produktion nach Brand-Erbisdorf. Zugekauft wurde die BM-Metalltechnik in Freiberg, wo unter anderem Beratungskabinen für Sparkassen produziert werden. Bei diesen drei Unternehmen ist Steffen Bellmann geschäftsführender Gesellschafter. Die zur Gruppe gehörende Bellmann Stahlbau Zethau wird von seinem Bruder geführt. Die Gruppe sieht sich als einer der größten Anbieter im produzierenden Bauelementesektor in Sachsen. Der Gruppenumsatz betrug im vergangenen jaht 17 Millionen Euro. Mittlerweile ist die zahl der Beschäftigten auf etwa 70 gewachsen. Völlig neue Perspektiven eröffnete die Zusammenarbeit mit Autohäusern der Marke Volkswagen. Für sie fertigt Bellmann die Eingangsportale. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. So gibt es in Brand-Erbisdorf gefertigte Portale in England, Südafrika, Angola, Schweden, Österreich und der Türkei. Ebenfalls großes Zukunftspotenzial bot sich in diesem Jahr mit Aufträgen für Franchisenehmer von McDonald's. "Wir fertigen die Außenhaut der Restaurants. Was aussieht wie Holz, das ist Aluminium", meinte der Unternehmer. Im kommenden Jahr wird das Unternehmen 20 bis 30 neu gebaute Restaurants ausstatten. Fenster und Türen machen 40 Prozent aus, Wintergärten weitere zehn Prozent. Je 25 Prozent entfallen auf die Produktion für die Marken McDonald's und VW. Ziel ist es, weltweiter Systempartner für Volkswagen zu werden und bei McDonald's sowohl bei Neubauten als auch bei der Erneuerung bestehender Außenfassenden fester Partner zu werden. Solches Wachstum fordert Investitionen. Eine steht unmittelbar bevor. In Autobahnnähe in Wilsdruff soll eine Lagerhalle entstehen, der Spatenstich dazu erfolgt noch 2010. Hier werden Elemente für Volkswagen und McDonald's vorgefertigt und versendet. Weitere eine Million Euro werden in neue Anlagen investiert. "Für den Konjunkturaufschwung sind wir gerüstet." Seine Vision: spätestens in fünf Jahren Chef von 100 Mitarbeitern zu sein.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 15.11.2010