Deutschland lässt in Lichtenberg ausbilden

Junge Leute im Verbund auszubilden, ist bei der LTB Leitungsbau GmbH zum Erfolgsmodell geworden Lichtenberg . 21 Unternehmen aus ganz Deutschland lassen derzeit ihrem Berufsnachwuchs im Ausbildungszentrum der LTB Leitungsbau GmbH Dresden das praktische Rüstzeug für ihre künftigen Aufgaben vermitteln - vorwiegend als Elektroniker und Industriemechaniker. Seit 1995 gibt es die Verbundausbildung. Drei Firmen beteiligten sich anfangs daran. Heute setzen führende Partner der Deutschen Bahn AG, der Stromnetzbetreiber und der Industrie aus der gesamten Bundesrepublik sowie Firmen aus der Region auf die Berufsschmiede im Erzgebirge.

 

Zu den ersten, die in Lichtenberg ausbilden ließen und das immer noch tun, gehört Balfour Beatty Rail in München. "Wir schätzen besonders die Fachkompetenz und das gute Verhältnis zu den Lehrlingen", sagt Regina Schwitzky, die Personalreferentin der deutschen Vertretung des britischen Unternehmens, das weltweit agiert. "Unsere Lehrlinge werden von Anfang an gebraucht. Wir setzen sie nach dem Abschluss der Lehre vor allem in der Fahrleitungsmontage ein." Allein in diesem Sommer begannen 14 Lehrlinge von Balfour Beatty Rail eine Ausbildung in Lichtenberg.

 

127 Azubis bereiten sich derzeit in den Werkstätten auf ihren künftigen Beruf vor. "Nur 24 davon sind eigene Lehrlinge", sagt Jürgen Weinhold, Leiter der LTB-Ausbildungsstätte. "Wir bilden zu 90 Prozent für Montageunternehmen aus, die ihre Leute deutschlandweit suchen, weil sie später im gesamten Land und darüber hinaus im Ausland eingesetzt werden, vorwiegend beim Bau von Fahr- und Freileitungen." So lernen derzeit junge Männer aus neun Bundesländern, von Brandenburg bis Baden-Württemberg, hier. Während die LTB den praktischen Part übernommen hat, ist das Freiberger Berufliche Schulzentrum "Julius Weisbach" Partner für den theoretischen Teil. Die Verbundausbildung garantiert, dass alle Schüler in Freiberg lernen können, egal aus welchem Bundesland sie stammen.

 

Die meisten wohnen während ihrer Ausbildung im Internat ihrer Schule, einige in den vor drei Jahren im Lichtenberger Hauptgebäude ausgebauten Zimmern und einige in Privatquartieren der Region. "Wir haben noch nie für die Straße ausgebildet", weist Weinhold auf eine hauseigene Tradition hin. "Die Firmen, die ihre Azubis zu uns schicken, übernehmen sie später auch." In diesem Jahr stellte die Ausbildungsstätte 40 Lehrlinge ein - so viele wie nie zuvor seit der Wende und bereits hart an der Kapazitätsgrenze. Ab Januar 2012 beginnt ein zusätzlicher Ausbilder im Fachbereich Elektrotechnik/Elektronik.

 

Bedarf an Fachkräften verspricht zunehmend auch die Energieübertragung vom Norden Deutschlands in den Süden. "Im Norden gibt es die großen Windparks. Im Süden wird die Energie gebraucht, und dafür müssen Netze umgebaut werden", sagt Weinhold. Schon jetzt arbeiten Lichtenberger Azubis ab Mitte des zweiten Lehrjahres auf großen Baustellen mit. Aktuell beispielsweise bei der Modernisierung der Oberleitungen an der Bahnstrecke Coswig - Dresden. Auch am neuen Flughafen Berlin/Schönefeld bewiesen junge Leute aus dem Ausbildungszentrum schon ihr Können. Um die Weihnachtszeit werden auch stets Helfer bei Arbeiten an englischen Bahnstrecken gebraucht.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 05.10.2011