Den Eisenwerkern schmilzt der Umsatz

Eisenwerk Erla

er Traditionsbetrieb in Erla genießt als Zulieferer für die internationale Automobilindustrie einen guten Ruf. Doch der starke Preiskampf macht dem Unternehmen zu schaffen. Die Gießerei investierte deshalb jetzt auch in eine neue Bearbeitungsstrecke.

 

Erla. Den immer härter werdenden Preiskampf auf dem weltweiten Markt der Automobilhersteller bekommt die Eisenwerk Erla GmbH massiv zu spüren. "Wir müssen in diesem Jahr wahrscheinlich eine 30-prozentige Umsatzeinbuße verkraften", sagt Hauptgeschäftsführer Dietmar Hahn. Der Wert hatte sich nach einer deutlichen Steigerung - im Jahr 2000 standen 37 Millionen Euro zu Buche - bei etwa 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr eingepegelt. Hauptgrund für den jetzigen Rückgang sei, dass Autokonzerne - das Eisenwerk liefert vor allem Turboladergehäuse und verschleißfeste Bauteile - ihre wirtschaftlichen Nöte durch niedrigere Einkaufspreise in Asien ausgleichen. Sie riskieren keine Vertragsstrafen, sondern verlängern einfach befristete Vereinbarungen beim Auslaufen nicht. Folge: Das hiesige mittelständische Unternehmen mit derzeit etwa 350 Mitarbeitern muss noch intensiver um jeden Auftrag kämpfen, mit Qualität und Lieferfristen überzeugen sowie neue Geschäftsfelder erschließen.

 

"Technologisch können wir jedem Wettbewerber weltweit Paroli bieten", sagt Hahn. "Aber den Preisverfall aufzufangen, das ist schwer."

 

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Seit 2011 ist die indische Dynamatic Group Gesellschafter des traditionsreichen Unternehmens in Erla, das als zweitälteste produzierende Gießerei in Deutschland gilt - und innovativ ist. So kann man mehr als 30 verschiedene Werkstoffsorten bieten, seit 2012 auch hitzebeständigen Stahlguss. Das Werk verfügt über sechs Mittelfrequenzöfen, eine große und eine kleinere Formanlage. "Wir nutzen sogar, ähnlich wie in der Medizin, einen eigenen Computertomographen", erklärt Hahn. "Das hilft bei der schnellen Fehlererkennung und verkürzt die Entwicklungszeiten." Auf Dauer aber werde das Unternehmen nur als Gießerei nicht bestehen können. "Darum müssen wir die Wertschöpfungskette vertiefen", umreißt der Geschäftsführer, was man auch Suchen und Finden weiterer Aufgabenfeldern nennen kann. Ein sichtbarer Ausdruck dafür ist die mechanische Fertigung am Standort des ehemaligen Heizhauses. Mit einer Gesamtinvestition von acht Millionen Euro wurde da in wenigen Monaten ein neuer Betriebsteil aus dem Boden gestampft. Ein junges Team verwirklicht gerade einen Auftrag von BMW, bearbeitet mit modernen Maschinen 1,2 Millionen Teile, so Klemmleisten.

 

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Quelle: Freie Presse vom 01.09.2017, Frank Nestler