Aufnahme gibt neue Impulse

Für Dietmar Grießl (57) wirkt die Welterbe-Liste auch in die Zukunft Zwickau. Die Aufnahme einer Kulturstätte oder Region in die Unesco-Welterbeliste verpflichtet zum Schutz und zur Erhaltung eines solchen Erbes. In dieser Liste finden Objekte und Orte Aufnahme, die für die Entwicklung der Menschheit prägend waren und es bis heute sind. Diesen Wertekanon an künftige Generationen weiterzugeben, muss uns heute dringend Verpflichtung sein.

 

Eine solche weitreichende Bedeutung besitzt die Kulturlandschaft der Montanregion Erzgebirge mit ihren Hinterlassenschaften des Bergbaus und ihrer mehr als 800-jährigen Geschichte. Unsere Heimatstadt Zwickau ist aufs engste mit dieser Entwicklung verbunden. Bereits mit dem ersten Berggeschrey im 12. Jahrhundert (Abbaugebiet am Hohen Forst) begann der prägende Einfluss des Bergbaus in unserer Stadt, der sich in den folgenden Jahrhunderten weiter intensivierte. Der Erzbergbau im Erzgebirge, der erst im 20. Jahrhundert endete, sowie die traditionsreiche 650-jährige Geschichte des Steinkohlenbergbaus formten Zwickau zu einer bedeutenden Industrie- und Kulturstadt. Deshalb ist es für unsere Stadt zwangsläufig von großem Interesse, mit der Montanregion Erzgebirge in diese Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen zu werden. Eine Aufnahme in die Welterbeliste bedeutet nicht nur Werbung für unsere Stadt, sondern auch ein positives Image.

 

Natürlich fordert das Aufnahmeverfahren von allen Beteiligten Engagement und Gestaltungswillen. Um diese bewältigen zu können, sind natürlich auch die Zwickauer Bürger, Behörden und Unternehmen gefragt. Dieser Aufgabe sollten sich aber auch die alle stellen, die sich Zwickau verpflichtet fühlen.

 

Die Aufnahme in das Weltkulturerbe wird aber auch ein Impuls dafür sein, die Sanierung der Steinkohlen-Altstandorte in unserer Region zu forcieren und diese Orte erlebbar zu machen. Unsere schöne und traditionsreiche Stadt Zwickau gehört als Tor zum Erzgebirge unbedingt in dieses international bedeutende Projekt. Denn nur, wer seine Geschichte kennt und lebt, kann seine Zukunft positiv und nachhaltig gestalten.

 

Unser Autor ist Dietmar Grießl. Der Vorstandschef der GUB Ingenieur AG ist promovierter Geotechniker und Experte für Bergbaufolgeschäden.

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Zwickauer Zeitung, 07.12.2011