BuddyBuddy ein start up im Erzgebirge / © RME/ Haus E

Good Vibes im Hinterland

02.10.2018

Innovative Board-Technologie aus dem Erzgebirge

BuddyBuddy - ein Start-up im Herzland - zeigt uns deren innovative AnchorCore-Techologie, die Leidenschaft am Brettsport und den Spirit einer detailverliebten Manufaktur. Erzählt von Magda Lehnert.

Ich bin in der Manufaktur des Boardherstellers BuddyBuddy in Gornau. Hinter den Maschinen entdecke ich vier junge Männer. Kevin, Christian, Florian und Philipp, wie ich später erfahren werde. Sie alle eint eine Leidenschaft: der Boardsport. In dieser Leidenschaft arbeiten sie drei Tage pro Woche in der Manufaktur in einer abgelegenen Ecke von Gornau. Hier, wo sich vermutlich Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen, werden mithilfe einer patentierten Technologie, entwickelt am Dresdner Institut für Holztechnologie, hochmoderne Skate- und Snowboards hergestellt – Boards, die mancher Profi-Fahrer den etablierten Marken vorzieht.

Pause bei BuddyBuddy / © RME/ Haus E
BuddyBuddy ein start up im Erzgebirge / © RME/ Haus E

Schon jetzt amüsiere ich mich über den Kontrast der Bretter, die hier unter den höchsten Qualitätsansprüchen gefertigt werden und den Albernheiten, die mir an allen Stellen auffallen. Ein Mitarbeiter, der auf dem Skateboard an der Werkbank steht, Rollen und Decks, die durch Penis-Schrauben zusammengehalten werden, eine Shisha im Pausenraum. Spätestens jetzt bin ich neugierig und möchte wissen, wie hier das wohl innovativste Board entstehen kann, das es derzeit am Markt gibt.

Baue das beste Board. Belaste dabei deine Umwelt so gering wie möglich. Nutze dazu lokale und nachwachsende
Ressourcen.

So steht es im Imageflyer von BuddyBuddy, den mir Rainer Sölch, Verantwortlicher für Marketing und Vertrieb bei BuddyBuddy, stolz in die Hand drückt, noch bevor ich überhaupt den ersten Schritt vom Büro in die Werkhalle gesetzt habe. Hinter mir rollt jemand auf dem Skateboard zu einer Maschine.

BuddyBuddy ein start up im Erzgebirge / © RME/Haus E
BuddyBuddy ein start up im Erzgebirge / © RME/ Haus E

Tüfteln

Jedes Board wird einzeln in mehreren Produktionsschritten per Hand gefertigt. Es wird gesägt, gefräst, gebohrt, vernäht, bestickt, laminiert, gepresst, getaped. Jeder Schritt wird noch immer optimiert, jedes Brett einzeln hundertfach begutachtet. Bis zu 30 Boards werden hier so täglich gefertigt. „Es geht auch mehr, aber wir wollen den nächsten Tag auch wiederkommen und Spaß haben”, sagt Philipp.

Patentierte Ankertechnologie: Vernäht und laminiert

Derweil versucht Rainer mir die komplizierte Technologie zu erklären. „Die Konkurrenz schaut sehr argwöhnisch auf das Produkt“, verrät er mir. „Uns geht es um die Technologie und die Ökologie. Wir bieten der Industrie eine Möglichkeit, mit weniger toxischen Werkstoffen und weniger Energieaufwand mindestens so hochwertige Produkte herzustellen wie die etablierte Industrie mit irgendwelchen Hightech-Werkstoffen, die meist sehr energieaufwendig hergestellt werden müssen. Unsere Boards sind eine echte Alternative”, erklärt er stolz.

Wie alles begann

Wenn es zwei Dinge gibt, die Gerd Kaden, Investor bei BuddyBuddy, liebt, dann sind es der Wintersport und das Erzgebirge. In seiner Passion für Schnee und Snowboards war er immer auf der Suche nach dem perfekten Brett – bis ihn ein Bekannter an den Brettlladen nach Dresden vermittelte. Begeistert von den Boards, die dort damals unter Leitung des Ladenbesitzers Mike Gelbricht, „einem Tischler und begnadeten Wintersportler, Wellen- und Windsurfer“, hergestellt wurden, investierte Gerd Kaden in die Technologie. So entstand mit ihm die Firma BuddyBuddy. Nach Schließung der Fabrik in Österreich, die in Zusammenarbeit mit BuddyBuddy das Produktions-Know-how erarbeitete, gab es für den Investor nur einen logischen Standort: seine Heimat, das Erzgebirge. Seither ist der Waldkirchner nicht mehr nur leidenschaftlicher Bretttester, sondern Schöpfer seines eigenen Profi -Snowboards – zu Hause, ganz nah am Berg.

In der Zeit nach dem Mauerfall, als alle Richtung Westen fuhren, fuhr ich gegen den Strom. Seitdem komme ich immer wieder.

Rainer Sölch, der frühzeitig nach der Wiedervereinigung den Weg ins Erzgebirge suchte, ist das grüne Herz von BuddyBuddy und bringt sein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz hier täglich ein. Klar weiß er, dass Produktion immer mit Abfall verbunden ist, Hightech mit Synthetik. Trotzdem versucht er, die Produktion der Boards an allen Stellen so umweltfreundlich und natürlich wie möglich zu gestalten. Die Holzkerne kommen aus Slowenien, das Epoxidharz aus Barcelona, die Glasfasern aus Bautzen, die Technologie aus dem Institut für Holztechnologie Dresden.

Natürlich wäre es ihm lieber, die Holzkerne aus Deutschland zu beziehen. Doch hier sind die Wetterbedingungen nicht optimal, die Jahreszeiten sind zu ausgeprägt, der Wind lässt das Holz der Bäume drehwüchsig werden, erklärt er. Es geht immer darum, den geeigneten Kompromiss zwischen Qualität und Nachhaltigkeit zu finden.

BuddyBuddy GmbH

Witzschdorfer Hauptstraße 94

09437 Gornau

Fon : +49 3725 34378 20

Email : office@buddybuddy.eu

www.buddybuddy.eu

Im Prinzip machst du das hier, weil du auch im Privaten Spaß daran hast.

„Alles ist noch sehr frisch, deshalb gibt es noch sehr viel zu reorganisieren. Gleichzeitig muss die Produktivität aber auch stimmen”, erklärt Rainer. Drei Tage pro Woche arbeiten Rainer, Christian, Philipp, Kevin und Florian derzeit in der Manufaktur. Erst im Mai 2017 hat Investor Gerd Kaden mit BuddyBuddy die Werkhalle in Gornau bezogen. Vorher hat eine österreichische Firma das Verpressen und Verleimen der bestickten Bretter übernommen. Inzwischen finden alle Fertigungsschritte in der neuen Halle statt.

Von Maschine zu Maschine

BuddyBuddy ein start up im Erzgebirge / © RME/ Haus E

 

Philipp Marx läuft nicht etwa zwischen Presse und CNC-Fräse hin und her. Er fährt. Einer der wenigen Menschen, der auf einem Brett so viel natürlicher erscheint als auf Füßen. Phillip ist Longboarder und Profi-Testfahrer für BuddyBuddy und erklärt den Lifestyle der Brettfahrer: Es gibt keine Reglements, keine Ernährungspläne, keine Vorgaben. Es geht nicht um das Erreichen eines Ziels, sondern um das Erlebnis. Ums Draußensein, um die Natur, um die Bewegung. Es gibt kein bestimmtes Leistungsziel, alles dreht sich um das Lösen von Problemen im Hier und Jetzt – egal, ob beim Klettern, auf dem Snowboard am Berg oder beim Test einer neuer Downhill-Strecke. Genau das bringt der Szene ihre Coolness und verbindet die Leute – ganz egal, ob sie nun ein Skateboard, ein Snowboard, ein Surfbrett oder einen Felsen unter den Füßen haben.

Alle Mitarbeiter vereint die Liebe zum Brett. Kevin Lindner, Christian und Julius Kaden, Philipp Marx, Rainer Sölch – sie alle verbringen ihre Freizeit am liebsten auf einem Brett – ganz gleich welches. Am liebsten natürlich in den Alpen, aber sie fahren auch hier, sobald es die Zeit zulässt. Bevorzugt auf dem Keilberg, den Downhill-Strecken auf der tschechischen Seite des Erzgebirges oder eben in der Werkhalle. Gerade erst gestern haben sie sich eine ausrangierte Miniramp in einem Skatepark angeschaut. Die soll schon bald in den Räumen von BuddyBuddy stehen – für Materialtests, natürlich.

Magazin „Herzland“

Diese Gechichte wurde auch im Magazin „Herzland - Gedacht.Gemacht.Erzählt“. Hier kannst du das gesamte Magazin online lesen, als PDF herunterladen oder gedruckte Exemplare nach Hause bestellen.

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