Zukunft winkt auch mit der Kettensäge

Heute endet die Woche der offenen Unternehmen. 218 Ausbildungsbetriebe hatten eingeladen. Spannend waren etwa die Stippvisiten zum Forstrevier Conradswiese. Und zwar nicht nur für Jungs.

VON FRANK HOMMEL

LAUTER/EIBENSTOCK - Vorsorglich bittet Alexan der Clauß um Nachsicht. Damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlt. Clauß mag nicht jedes Mal noch das Wort "Forstwirtin" hinzufügen, wenn er schon "Forstwirt" gesagt hat. Die Entschuldigung ist keine rhetorische Höflichkeit. Denn in der Tat spitzen auch einige junge Damen im voll gefüllten Raum die Ohren. Darunter die 14-jährige Lisa Hoffmann. Einstmals ausgemachte Männerberufe wie der des Forstwirts - der Volksmund sagt schlicht Waldarbeiter - sind längst keine reine Jungendomäne mehr.

Clauß hat im Forstbezirk Eibenstock die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Sein Betrieb nutzt die Woche der Unternehmen, potenzielle Auszubildende auf eine mögliche Zukunft im Forst vorzubereiten. Erzgebirgsweit stellen 218 Ausbildungsbetriebe 20 Studiengänge und 115 Ausbildungsberufe vor.

Die Zukunft, die Clauß zu bieten hat, winkt mit der Kettensäge. Mit Lärm, Schweiß und frischer Luft - bei jedem Wetter. Das schreckt nicht notwendigerweise. 97 Schüler lotsen Clauß und Forstwirtschaftsmeister Detlef Wendler in zwei Tagen durchs Revier Conradswiese.

Hoch über Lauter ist nicht nur das gleichnamige Waldschulheim, sondern auch die Lehrwerkstatt untergebracht. Seit der Wende haben dort acht junge Frauen die schweren Geräte beherrschen gelernt. Extrawürste bekamen sie nicht gebraten. Wendler: "Mädchen müssen in jedem Bereich die selben Tätigkeiten ausführen." Dass das funktioniert, bewies die letzte Absolventin, die 2008 die Bestnote in Sachsen erreichte. Mit Geschicklichkeit, sagt Claus, lässt sich viel Kraft sparen. Selbst wenn es darum geht, Bäume zu fällen und Stämme durchs Unterholz zu wuchten.

Angesichts der Technik spricht aus Lisa Hoffmanns Blick dennoch Skepsis. Sollte sie sich doch lieber in Richtung Zahntechnik orientieren? "Forstwirt ist wohl doch eher ein Männerberuf", argwöhnt sie. Und bestätigt damit auch einen Sinn der Aktionswoche: Herauszufinden, was einem eben nicht liegt.

Andere wollen sich eher noch einmal einer Entscheidung vergewissern, die sie längst trafen. Steven Otto aus Bad Schlema hat die Bewerbung an den Forstbezirk bereits abgeschickt. Bei vier Praktika ist sein Berufswunsch gewachsen und gereift. Die Technik fasziniert ihn immer wie der, seine Augen glänzen. Sicher kann er dennoch nicht sein: 2010 gab's 34 Bewerbungen. Doch die Eibenstocker bieten in jedem Jahr nur drei Plätze an.

Da ist es hilfreich, sich nicht nur bei einem Betrieb umzutun. Ralf Möckel vom Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter Aue-Schwarzenberg sagt, einige Schulen empfehlen ihren Schützlingen den Besuch in mehreren Betrieben, andere nur in einem. Letzteres sieht er kritisch: "Bei manchen Jugendlichen ist etwas Anschub notwendig."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Auer Zeitung, 18.03.2011