Zukunft für Dämmstoffwerk und 40 Mitarbeiter weiter ungewiss

Zum 31. Dezember gehen bei Kingspan Unidek in Meinersdorf die Lichter aus - es sei denn, es findet sich doch noch ein Käufer.

VON FRANZISKA MUTH

MEINERSDORF - Zwei Szenarien gibt es für das Werk der Kingspan Unidek GmbH im Burkhardtsdorfer Ortsteil Meinersdorf: "Entweder es gibt einen Käufer oder wir bauen die Maschinen aus", sagt Matthias Gangeler, Leiter Vertrieb und Marketing. Kingspan will den Betrieb in Meinersdorf zum 31. Dezember einstellen. Die Dämmstoffproduktion soll im Werk in Bretten (Baden-Württemberg) fortgesetzt werden. 40 Mitarbeiter suchen einen neuen Job.

Interessenten für den Kauf des Werkes im Erzgebirge gibt es, so Gangeler. Bisher haben die Verhandlungen aber noch kein Ergebnis gebracht. Ende September hatten die Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten, ihre Arbeitsverträge laufen spätestens zum 31. März aus. Jeder Beschäftigte hat das Angebot erhalten, in Bretten weiterzuarbeiten, bestätigte der Betriebsrat.

Keine Chance für den Standort

Allerdings kommt das wohl für niemanden infrage: "Die Menschen haben hier eine örtliche und familiäre Bindung, kommen aus Burkhardtsdorf und Umgebung." Zudem liege der Altersschnitt bei rund 55 Jahren. Zwar würden Abfindungen über dem Durchschnitt gezahlt. Dennoch meint der Betriebsrat: "Wir haben eine gute Mannschaft und noch Hoffnung, dass sich etwas bewegt. Die Schließung des Werkes hatte keiner auf der Rechnung. Eine unternehmerische Entscheidung, die für uns nicht nachvollziehbar ist."

Kingspan sehe keine Chance, den Standort so zu betreiben, dass dauerhaft keine roten Zahlen mehr geschrieben würden, sagt Gangeler. Der Dämmstoff-Markt im Einzugsgebiet von Bretten sei besser und wachse: "Es gibt sicher Sanierungsbedarf in ganz Deutschland, aber im Westen mehr Neubautätigkeit. In der Peripherie von Stuttgart und München geht die Post ab." Wirtschaftlich sei es nicht vertretbar, Dämmstoff weiter als in einem Radius von 200 Kilometern zu vertreiben. Zwei Drittel der Produkte aus Meinersdorf würden darüber hinaus geliefert. Zudem gebe es im Einzugsbereich rund zehn Konkurrenten, für Bretten nicht mal die Hälfte.

Dass dem überhaupt so ist, begründet der Betriebsrat mit Managementfehlern. Das Meinersdorfer Liefergebiet sei in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden. Zudem sei die Produktpalette in Meinersdorf weit größer als die in Bretten und für einen Kunden sei das Werk sogar Exklusivlieferant. Für die Tätigkeiten der Mitarbeiter in Burkhardtsdorf gebe es zudem keine direkte Ausbildung. Die Arbeitslosigkeit im Raum Bretten liege bei nur drei bis vier Prozent: "Dort Fachpersonal zu finden, wird schwierig", so der Betriebsrat. Seine Alternative wäre gewesen, das Meinersdorfer Werk zu erhalten. Dort hätte man die Produktion auf drei Schichten steigern können und auch Platz für die Verwaltung gehabt, die sich in Steinhagen (Westfalen) befindet und ebenso nach Bretten ziehen soll.

Wege für Vermarktung gesucht

Sollte das Werk dicht machen, ginge ein Stück Industriegeschichte zu Ende, sagt Bürgermeister Thomas Probst. Am 24. November ist daher ein Vororttermin mit Vertretern von Unidek, der Gemeinde, der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH und dem Landratsamt geplant. Dabei sollen Wege gefunden werden, das Objekt zu vermarkten, sagt Christoph Stahl, Leiter des Referats Kreisplanung/Wirtschaftsförderung im Landratsamt.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Stollberger Zeitung, 02.11.2011