Wolkenstein ist derzeit das Klein-Hollywood im Erzgebirge

In der Bergstadt ist gestern die erste Klappe für das Schwesterndrama "Am Ende der Lüge" gefallen. Viele Wolkensteiner unterstützen begeistert die Dreharbeiten.

VON GUDRUN MÜLLER

WOLKENSTEIN - Die Bergstadt Wolkenstein befindet sich spätestens seit gestern im Filmfieber, es herrschen Aufregung und Begeisterung. Denn gestern erfolgte in Wolkenstein der Auftakt zu den Dreharbeiten für das Schwesterndrama "Am Ende der Lüge". Der Film wird von der Kölner Rowboat Film- und Fernsehproduktion GmbH im Auftrag von MDR und ORF produziert.

Sozusagen den Platz in der ersten Reihe, ganz nah dran am Geschehen haben mit einem Blick aus dem Fenster des Rathauses die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. "Die Arbeit läuft trotzdem weiter. Aber in der Pause wird schon mal kurz geguckt. Jetzt laufen Diakonissinnen über den Markt", schilderte Bürgermeister Guntram Petzold gestern lachend eine der Szenen. "Wolkenstein ist eben derzeit Klein-Hollywood", sagte er. Etliche Einwohner wirkten auch als Kleindarsteller nach einem Casting mit. Die Filmproduktion sei ein Gewinn für die Stadt, denn Mitwirkende sind in der Bergstadt und in der Umgebung untergebracht. "Ich habe von Filmleuten gehört, dass sie von der Landschaft und unserer Stadt begeistert sind", erzählte der Bürgermeister. Petzold hofft, dass nicht nur die Mitwirkenden privat mal wieder nach Wolkenstein kommen, sondern mit dem Film die Stadt bekannter wird. Aufgrund der Dreharbeiten gibt es derzeit Verkehrseinschränkungen in der Stadt, so ein Parkverbot auf dem Marktplatz, informierte er.

 

Ganz andere Einschränkungen des täglichen Lebens meistert gegenwärtig Bettina Wenzel. "Unser Haus ist zur Filmkulisse geworden", erzählte sie. "Das ist eine interessante Geschichte. Räume wurden umgebaut, neu gestrichen und Möbel verrückt", schilderte sie. Die Wenzels müssen sich derzeit mit wenig Platz begnügen. Aber es sei eine einmalige Chance, hautnah eine Filmproduktion mitzuerleben. "Das wird einem im Leben nur einmal geboten. Da haben wir gern zugestimmt", sagte die Wolkensteiner Ärztin.

Vom Filmfieber erfasst ist auch Mandy Weigelt, die in ihrer Pension "Zur Kurfürstin" am Markt Filmleute beherbergt. "Tagein, tagaus so nah am Filmgeschehen dran zu sein, ist schon eine tolle Erfahrung", betonte die Pensionsinhaberin. "Schön, dass unsere Stadt als Drehort für diesen Film gewählt wurde."

Wegen der Mischung aus Idylle und Bodenständigkeit war Wolkenstein - die Stadt soll auch im Film so heißen - beim Regisseur Marcus O. Rosenmüller als Drehort infrage gekommen, war im Vorfeld von Rowboat zu erfahren. Die Hauptrollen im Drama spielen die österreichischen Schauspielerinnen Katharina Böhm und Aglaia Szyszkowitz, so die Kölner Agentur 67. In weiteren Rollen sind Jochen Horst, Tara Fischer, Hermann Beyer und Kai Schumann zu sehen. Marcus O. Rosenmüller führt nicht nur Regie, sondern hat gemeinsam mit Sophia Krapoth auch das Drehbuch geschrieben. Bis Mitte Dezember wird noch in Wolkenstein und Umgebung sowie in Leipzig gedreht.

 

Quelle: Freie Presse, Zschopauer Zeitung, 11.11.2011