Wo die Weltkarte eine Erfolgskarte ist

Sigma Medizin-Technik aus Gelenau behauptet sich als Gerätehersteller für die neurologische Funktionsdiagnostik

Von Gudrun Müller

Gelenau. Hinter dem Chefsessel von Jochen Schwind hängt eine Weltkarte: Es ist eine

Erfolgskarte. Etwa 40 Fähnchen stecken bereits darin. In diese Länder liefert die Sigma Medizin-Technik GmbH Gelenau Ausrüstungen und Systeme für die neurologische Funktionsdiagnostik - EEG- und EMG-Geräte vor allem. Die Fähnchen sind über alle Kontinente verteilt, nur Russland, Nordamerika und China sind unberührte Gebiete.

Die Firma, die Anfang des Jahres ihren Sitz von Thum ins Gelenauer Gewerbegebiet verlegte, entwickelt und produziert diese Gerätesysteme, sie bietet bei der Auslieferung den niedergelassenen Ärzten für Neurologie und Kliniken auch Zubehör und Service an, der Schulungen einschließt. Für die Fertigung ist keine riesengroße Werkhalle vonnöten. Denn die Komponenten an Soft- und Hardware werden im Wesentlichen von Partnerfirmen geliefert und in Gelenau "zusammengeschraubt".

Die Gelenauer Medizintechniker, das Unternehmen hat 14 Mitarbeiter, hätten nicht den Anspruch, einen Porsche zu produzieren, sondern eher den Golf, bemüht Schwind einen Vergleich aus dem Automobilbau: "So konnte sich unsere kleine Firma aus dem Erzgebirge, die anfangs belächelt wurde, seit 20 Jahren als derzeit einziger Komplettanbieter der Geräte für EEG und EMG in Deutschland gegenüber großen amerikanischen und japanischen Konzernen behaupten." Er teilt sich mit seinem Partner Dietrich Scheidhauer Geschäftsführung und Gesellschafteranteile. Dass Schwind die "Sprache der Ärzte" spreche, habe ihm manche Tür geöffnet. Denn der gebürtige Thumer ist nicht nur Medizintechniker, er hat in der Hirnforschung promoviert und im damaligen Wismut-Krankenhaus Aue die Abteilung für Funktionsdiagnostik in der Neurologie mit aufgebaut und Patienten untersucht. Das war nach der Wende nicht mehr möglich. Schwind lernte 1990 einen Firmenchef aus Erlangen, der ebenfalls Schwind hieß und neurologische Diagnostikgeräte entwickelte und anbot, kennen. In seiner Schneeberger Garage gründete Jochen Schwind vor exakt 20 Jahren die Medizintechnikfirma als Partner des Erlanger Unternehmens. 1992 zog die Schwind Medizin-Technik, jetzt als gemeinsames Unternehmen mit seinem Schulfreund Dietrich Scheithauer und dem später ausgeschiedenen Michael Süß, nach Thum in eine kleine ehemalige Strumpffabrik um. Später zog sich der Partner aus Erlangen zurück.

Es folgten eigene Entwicklungen auch mithilfe von Fördermitteln aus den Töpfen der Sächsischen Aufbaubank. "Dabei wollten wir nicht das Fahrrad völlig neu erfinden, immerhin gibt es das EEG bereits seit mehreren Jahrzehnten", erläutert Schwind. Anliegen sei es, anwenderfreundliche Systeme mit einheitlicher Nutzeroberfläche und Datenbank für die neurologische Routinediagnostik unter der eigenen Marke Neurowerk anzubieten. 1995 wurde der erste Messplatz entwickelt, fast jährlich kamen neue Systeme und Weiterentwicklungen auf den Markt. "Während andere Anbieter verschwunden oder in großen Konkurrenzfirmen aufgegangen sind, ist die Sigma Medizin-Technik ein Baum, der fest steht", meint Schwind. Dadurch hätten die niedergelassenen Neurologen seit

Jahren immer wieder die gleichen Ansprechpartner und schätzten den Komplettservice. Zu den Abnehmern gehörten laut Schwind mittlerweile größere Kliniken wie beispielsweise das Chemnitzer Klinikum.

Vor zehn Jahren gelangten die ersten Lieferungen ins Ausland, anfangs in das Emirates

International Hospital Al Ain und die Universitätsklinik Singapore. Mittlerweile werde mithilfe des Exports fast ein Drittel des Umsatzes der Gelenauer Firma getätigt. Der habe sich seit 2000 fast verdoppelt und soll 2010 etwa 1,8 Millionen Euro betragen. 100.000 Euro seien 2010 in neue Firmenausstattungen und PC-Technik investiert worden. Auch da folgen Schwind und sein Partner Scheithauer der Philosophie, lieber kleine Schritte statt großer Sprünge: "Wir haben und hatten nie Riesenkredite am Hals, sondern Investitionen aus Einnahmen finanziert." Deshalb sei die Medizintechnikfirma, nachdem die Räume in Thum zu klein geworden sind, ins Gelenauer Domizil auch nur als Mieter eingezogen.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Zschopauer Zeitung, 24.08.2010