Welterbetitel hat vielerlei Fassetten

Montanregion beinhaltet mehr als nur Schaubergwerke

ANNABERG-BUCHHOLZ - Städte, Gemeinden und Landkreise wollen für das Erzgebirge den Welterbetitel der Unesco erringen. Das Gesamtprojekt setzt sich aus vielen Bereichen zusammen. "Freie Presse"-Redakteur Gunter Niehus sprach darüber mit Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH. Dieser koordiniert das Vorhaben im Erzgebirgskreis.

Freie Presse: Im Bezug auf die Montanregion Erzgebirge ist stets nur von Bergwerken, Hammerwerken und ähnlichem die Rede. Obwohl die Palette breiter ist. Woran liegt das?

Matthias Lißke: Weil Bergwerke und Hammerwerke einfach bei diesem Thema naheliegend sind. Doch ein paar Stollen machen noch kein Welterbe aus. Die Unesco interessiert sich für alle Fassetten einer sich weiterentwickelnden Industriegesellschaft. Also auch Kunst, Musik, Brauchtum, Wissenschaft, Biotope und vieles mehr. Denn dass all dies hier eine Einheit bildet, ist wirklich einzigartig.

Wenn dies den meisten nicht bekannt ist, haben dann die Verantwortlichen Fehler gemacht?

Um so etwas zu kommunizieren, braucht man Partner. Außerdem gibt es für das Projekt mit dem Welterbekonvent erst seit kurzem eine verbindliche Struktur.

Wollen Sie bei der Außendarstellung künftig mehr Gewicht auf diese anderen Fassetten legen?

Wichtig ist, das Projekt künftig in seiner ganzen Breite darzustellen. Dies wird dem Welterbe auch gerecht, denn immerhin wirkt dieses Label auch in viele Bereiche hinein. Auch aus diesem Grund hat es einen so hohen Markenwert.

Unter einem Hammerwerk kann sich jeder etwas vorstellen. Wie wollen Sie beispielsweise den Bereich Wissenschaft vermitteln?

Man kann zum Beispiel an Georgius Agricola anknüpfen. Der Wissenschaftler und Bergbauexperte aus dem 16. Jahrhundert ist vielen Menschen im Erzgebirge ein Begriff. Das selbe gilt für den Mathematiker Adam Ries. Oder die Bergakademie in Freiberg. Wir nehmen also Dinge oder Personen, die schon bekannt sind. Und verbinden dies alles zu einem schlüssigen Gesamtkonzept, das dann auch die Unesco überzeugen wird.

Was ist eigentlich Ihre Lieblingsfassette?

Kunst und Musik. Denn auch in diesem Bereich galt hier: "Alles kommt vom Bergbau her". Bergbau, das ist ja eigentlich harte, körperliche Arbeit. Schmutzig ist sie ebenfalls. Dennoch hat sich im Erzgebirge daraus eine Hochkultur entwickelt. Mit Theater und einer Philharmonie. Dies ist etwas, was es in dieser Form in anderen Montanregionen nicht gibt. Sondern wirklich nur hier im Erzgebirge.

Matthias Lißke

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 01.11.2011