Vom Flüchtling zum Busfahrer: Hiesiger Arbeitsmarkt im Wandel

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Der aktuelle Fachkräftemangel macht vor kaum einem Unternehmen halt - auch nicht vor dem Regionalverkehr Erzgebirge (RVE). 20 neu ausgebildete Busfahrer werden nach Angaben von Geschäftsführer Roland Richter jedes Jahr gebraucht, um dieoft altersbedingt entstehenden Lücken in der Belegschaft zu schließen. Das Potenzial des heimischen Arbeitsmarktes gibt diese Zahlen längst nicht mehr her. Also müssen neue Wege beschritten werden.

Einen solchen hat das Unternehmen vor vier Jahren mit Adel Al Abed eingeschlagen. Er war 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen und im Erzgebirge gelandet. Ein Jahr später lernten sich beide Seiten bei einer Informationsveranstaltung kennen. Aus gegenseitigem Interesse wurde zunächst ein Praktikum im Verkehrshof des Unternehmens.

Doch schnell stellte sich heraus: Die Sprachbarriere war ein großes Hindernis. "Das konnten wir aber mithilfe des Jobcenters aus dem Weg räumen", erinnert sich RVE-Chef Roland Richter. Der junge Syrer wurde als Hilfsarbeiter mit Qualifizierungsvertrag eingestellt. Und auch die nächste Hürde - der Autoführerschein - wurde gemeinsam gemeistert. Dennoch sei es im vorigen Jahr für alle Beteiligten immer noch ein Wagnis gewesen, die Ausbildung zum Berufskraftfahrer in Angriff zu nehmen. Doch das Wagnis ist geglückt, der junge Syrer ist seit April dieses Jahres als vollwertiger Busfahrer im Einsatz. "Es war nicht einfach. Aber es hat sich gelohnt", fasst Roland Richter den langen und schwierigen Weg zusammen und spricht von "viel persönlichem Engagement".

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Quelle: Freie Presse vom 18.10.2019, Antje Flath