Volksbanken schließen sich zusammen

Die Institute in Chemnitz und Annaberg-Buchholz fusionieren. Damit entsteht die größte Genossenschaftsbank Ostdeutschlands nach Berlin.

VON JAN-DIRK FRANKE

CHEMNITZ - Seit August laufen die Fusionsgespräche zwischen der Volksbank Chemnitz und der Volksbank Erzgebirge, nun sind die Weichen gestellt. Die Aufsichtsräte beider Häuser haben vor wenigen Tagen grünes Licht für den Zusammenschluss gegeben, der im nächsten Jahr über die Bühne gehen soll. Wolfgang Müller, Vorstand der Volksbank Chemnitz, betonte gestern, dass die Größenverhältnisse - das Institut im Erzgebirge ist deutlich kleiner - bei der Fusion keine Rolle spielen. "Beide Häuser haben in den letzten Jahren eine hervorragende Entwicklung genommen. Die Gespräche sind daher aus einer Position der beiderseitigen Stärke erfolgt", sagte er. "Die Fusion erfolgt in keinster Weise aus der Not heraus", ergänzte Gert Maisenhelder, Vorstand der Volksbank Erzgebirge.

Letzte Hürde nicht genommen

Allerdings ist die letzte Hürde noch nicht genommen: Die Anteilseigner beider Genossenschaftsbanken - in Chemnitz sind es 14.000, im Erzgebirge 7000 - müssen das Vorhaben auf den Vertreterversammlungen im Mai und Juni 2012 noch absegnen. Die technische Umsetzung mit der Umstellung von Konten und dem Rechnungswesen ist laut Müller für Oktober kommenden Jahres geplant.

 

Nach seinen Worten entsteht damit die größte ostdeutsche Genossenschaftsbank außerhalb von Berlin. Sitz des neuen Instituts mit einer Bilanzsumme von gut 930 Millionen Euro und 68.000 Kunden wird Chemnitz, die Filialen im Erzgebirge sollen jedoch weiter unter ihrem bisherigen Namen geführt werden. Man wolle so der Identifikation mit der Region Rechnung tragen, hieß es. Die Vorstände beider Häuser sollen die neue Bank vorerst gemeinsam führen, Ende 2013 werde Maisenhelder aber altersbedingt ausscheiden. Dann werde die Führungsspitze auf drei Vorstände verkleinert, sagte Volksbank-Chemnitz-Manager Gunnar Bertram.

Beide Banken begründeten die Fusion mit wirtschaftlichen Erwägungen. Es sei auch wichtig, den drei Sparkassen, die sich im Erzgebirgskreis zusammenschließen, etwas entgegenzustellen, so Müller. Ein größeres Institut könne zudem den wachsenden politischen Anforderungen besser gerecht werden.

Die Vorstände hoffen, vor allem ihr Geschäft mit Firmenkunden künftig ausweiten zu können. Da sich mit dem Zusammenschluss die Eigenkapitalausstattung verbessert - nach dem letzten Jahresabschluss kommen beide Banken zusammen auf 66 Millionen Euro - steigen auch die Kreditvergabemöglichkeiten. Bei der Volksbank Erzgebirge liegt laut Vorstand Gerd Koschmieder die Obergrenze bei der Kreditvergabe derzeit bei 3,9 Millionen, in Zukunft werden es 15 Millionen Euro sein. "Man muss mit dem Mittelstand mitwachsen, wenn man die Kredite in den eigenen Büchern haben will", fügte sein Kollege Gert Maisenhelder hinzu. Einschnitte im Filialnetz sind nicht geplant. Die Volksbank Chemnitz betreibt 19 Geschäftsstellen und 10 SB-Center, die Volksbank Erzgebirge 15 Filialen.

Filialnetz bleibt bestehen

Auch am Personalbestand mit 246 und 93 Angestellten wird festgehalten. Geplant ist vielmehr, die Belegschaft im Erzgebirge noch aufzustocken. "Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten fünf Jahren die Filialmannschaft um ein Drittel erhöhen können", sagte Bertram und begründete dies mit zusätzlichem Geschäft, dass man generieren wolle. Bewerbungen erhalten sie schon jetzt, wie Bertram mit Blick auf den geplanten Stellenabbau bei der Sparkasse Zwickau sagte. Man werde sich diese ansehen, versprach er.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 14.10.2011