Unternehmerisches Engagement - eine Herzenssache

1990, mit der Wiedervereinigung Deutschlands, waren die Eigentümer der HOPPE-Gruppe, Friedrich Hoppe und seine beiden Söhne, fest entschlossen, beim Aufbau der freien und sozialen Marktwirtschaft im Osten Deutschlands mitzuwirken. Und zwar sowohl aus einer tief empfundenen staatspolitischen Verantwortung heraus, als auch wegen der ganz persönlichen Freude als Deutsche über die Überwindung der Trennung zwischen Ost und West.

Die Sondierungen, wo sich der Beschläge-Hersteller unternehmerisch betätigen könnte, führten bald nach Crottendorf, wo es einen ehemaligen "VEB" zur Produktion von Beschlägen gab. Auch wenn die Arbeitsweise dort systembedingt nicht der modernen Technik entsprach, erkannte Friedrich Hoppe mit dem typischen Weitblick des Pioniers sofort die sich bietenden Möglichkeiten: "Hier sind wir nicht das letzte Mal gewesen", war der Kommentar nach dem ersten Ortstermin. Und so kam es dann auch: Am 1. Juli 1991 wurde der Betrieb mit allen (!) seinen damals 98 Mitarbeitern übernommen.

Warum gerade Crottendorf? Erstens, weil man HOPPE dort haben wollte - und zwar nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch das kommunale und regionale Umfeld. Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Kommune, die 1991 begann, hat sich bis zum heutigen Tag bewährt. Zweitens, weil es hier Mitarbeiter gab, die sich grundsätzlich in der Beschläge-Herstellung auskannten. Und drittens passte die Entscheidung in die damals rund 30-jährige Erfahrung mit der Standort-Wahl nach dem Grundsatz, die Arbeit zu den Menschen zu bringen, statt diese in die bestehenden Werke zum Beispiel nach Westdeutschland zu holen.

Der 1991 übernommene Betrieb wurde für die Übergangszeit saniert, parallel dazu im damals gerade entstehenden Gewerbegebiet des Ortes ein neues Werk mit kompletter Wertschöpfung - also nicht etwa nur eine "verlängerte Werkbank" - errichtet.

In der Anfangsphase wurden die Mitarbeiter aus Crottendorf fast alle in den hessischen Werken des Unternehmens für jeweils einige Wochen geschult. Dadurch wurde nicht nur Fachwissen für die moderne Beschläge-Produktion vermittelt, sondern der Kontakt der Mitarbeiter aus Sachsen und Hessen sorgte auch dafür, dass Vorurteile gar nicht erst Platz greifen konnten, keine "Mauern im Kopf" entstanden. Natürlich gab es besonders in den ersten Jahren intensive Unterstützung aus den anderen HOPPE-Werken, aber die gesamte Führungsmannschaft bestand und besteht aus einheimischen Mitarbeitern.

Heute ist das Crottendorfer Werk aus der HOPPE-Gruppe nicht mehr wegzudenken: Das Werk profitiert von der Stärke des gesamten Unternehmens, das Unternehmen profitiert von der Stärke des Crottendorfer Werkes.

Das Engagement in Crottendorf ist aber nicht nur wirtschaftlich ein Erfolg, sondern auch staatspolitisch und menschlich: Auf lokaler Ebene ist die Deutsche Einheit hier seit langem positive Wirklichkeit. "Crottendorf ist eine außergewöhnlich (!) gute Erfahrung - menschlich und ökonomisch", lautet deshalb auch das Fazit von Wolf Hoppe, der die Gruppe in der zweiten Generation mit seinem Bruder Christoph zusammen leitet. Für ihn ist das Werk in Crottendorf mehr als ein unternehmerisches Engagement - es war und ist eine "Herzenssache".

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 01.10.2010