Spritzgussautomaten laufen dreischichtig

Autohersteller wären ohne Kunststoffbauteile aus Olbernhau aufgeschmissen. Im Betriebsteil der Eckerle Automotive GmbH werden Grundelemente für zahlreiche Baugruppen produziert.

VON WILFRIED SAWORSKI

OLBERNHAU - Fensterheber, Schiebedächer, Antiblockiersysteme, Lenkhilfen,

automatische Schaltgetriebe und vieles mehr machen ein Auto erst komplett. 16

Automaten in der Olbernhauer Maschinenhalle spucken dafür kontinuierlich eine große Menge an Bauteilen aus. Manja Lorenz und Petra Heyn zum Beispiel "füttern" einen Rundtischautomaten mit Stromschienen aus Metall. Diese werden anschließend in Kunststoffspitzguss eingebettet, und das ergibt schließlich die Trägerplatte für einen Lüftermotor. Bei Siegfried Schulz sind es die Grundkörper für eine elektrische Lenkhilfe, die von der Maschine Stück für Stück ausgestoßen und auf einem Förderband gleich zum Verpacken transportiert werden. Bevor er die Teile bruchsicher in Kartons verstaut, wirft der Arbeiter auf jedes Teil einen prüfenden Blick.

"Die Anforderungen an die Qualität sind sehr hoch. Auf die Genauigkeit kommt es an, und die muss stimmen", erläutert Betriebsleiter Frank Reuther. "Die Kunststoffteile aus den Automaten werden deshalb alle zwei bis vier Stunden kontrolliert." Entscheidend dafür, dass die Qualität stimmt, ist auch das Werkzeug, mit dem die Teile hergestellt werden. In Olbernhau gibt es eine günstige Konstellation in der Art, dass Eckerle-Mitarbeiter und Kontura-Werkzeugbauer gewissermaßen unter einem Dach produzieren. "Das ist wegen der Genauigkeit der Kunststoffspritzteile und für das Warten von Werkzeugen ein großer Vorteil", schätzt Betriebsleiter Reuther die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Kontura Werkzeugbau GmbH. Bei der Frage nach den Stückzahlen, die im Laufe eines Monats die Maschinenhalle verlassen, hebt er die Hände: "Diese Zahlen werden in der Unternehmenszentrale zusammengerechnet."

Zehn bis zwölf Bauteile zusammengefügt, ergeben ein so genanntes (Kohle-)Bürstensystem oder auch Modul, mit dem die Eckerle Automotive GmbH eine Zulieferkette bedient. Das Bürstensystem steckt unter anderem im Motor, der auf Knopfdruck die Seitenscheibe beim Auto wie von Geisterhand senkt und wieder hebt. Laut Geschäftsführer Martin Huck vom Mutterunternehmen in Ottersweier (Bundesland Baden-Württemberg) werden davon weltweit etwa 280.000 Stück pro Tag montiert. Abnehmer sind Marken-Firmen wie Bosch, Brose, Continental und Magna. Die Herausforderung für die Eckerle-Gruppe besteht zurzeit darin, die Übernahme von Betrieben der Schunk Modultechnik GmbH Heuchelheim (Bundesland Hessen) zu meistern, darunter der Betrieb in Olbernhau. Die Übernahme wurde mit Beginn des Jahres 2011 wirksam. Geschäftsführer Huck: "Wir stehen jetzt vor der Aufgabe, die Integration zu schaffen und die 700 neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugliedern."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Marienberger Zeitung, 03.02.2011