Solarworld weiht Forschungszentrum ein

Konzern bündelt Innovationskapazitäten in Freiberg - Tests unter Industrie-Bedingungen möglich - Kooperation mit Freiberger Uni und Firmen

Von Steffen Jankowski

 

Freiberg. Die Solarworld AG hat gestern ihr neues Forschungs- und Entwicklungszentrum im Freiberger Gewerbegebiet Süd eingeweiht. In dem 55-Millionen-Euro-Komplex werden die entsprechenden Kompetenzen der weltweit 13 Standorte des Konzerns gebündelt. Spätestens 2012 müsse "der eigene Strom vom Dach genauso günstig wie der aus der Steckdose sein und später der Preis noch unterboten werden", gab Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der Solarworld AG, das Ziel für die derzeit 110 Mitarbeiter der Solarworld Innovations GmbH vor.

Nach den Worten von Holger Neuhaus, der als Geschäftsführer der Solarworld Innovations GmbH frisch gebackener Hausherr ist, geht es vor allem um die schnellere Überführung von neuen Ideen in die Produktion. So verfüge das Zentrum unter anderem über ein Solarzellen- und Modultechnikum, das im industriellen Maßstab fertigen könne. Darüber hinaus beherbergt das Gebäude zahlreiche Prüflabors und Konferenzräume.

Insgesamt stehen 10.500 Quadratmeter Fläche in dem Neubau zur Verfügung. Die ungewöhnliche Fassade mit geschwungenen Linien nimmt das Profil des Geländes auf und vermittelt Dynamik und Fluss, erläuterte Architekt Heribert Wiesemann. Die Grundfläche erinnere an einen gedrittelten Siliziumkristall. "Zudem ist das Grundstück relativ klein und spitzwinklig, sodass wir in die Höhe gehen mussten. Dadurch ist so ein markantes Gebäude entstanden", sagte der Kölner Professor. Eine Herausforderung sei auch die ganze Menge an Medien gewesen, die durch das Haus geführt werden. So erfolgt beispielsweise die Beheizung durch Abwärme aus den Kristallisations- und anderen Produktionsprozessen in benachbarten Solarworld-Firmen.

"Wir werden ganz sicher weiteres Personal einstellen", kündigte Ralf Lüdemann, ebenfalls Geschäftsführer der 2007 gegründeten Innovations-Tochter, an. Allerdings werde es immer schwieriger, geeignete Fachleute zu finden: "Wir brauchen vor allem Ingenieure und Naturwissenschaftler, die schon Berufserfahrung haben." Den Nachwuchs für Forschung und Entwicklung versuche seine Firma unter anderem durch Vorlesungen an der TU Bergakademie Freiberg zu gewinnen.

Durch die Zusammenarbeit mit der Freiberger Uni sowie dem Fraunhofer Technologiezentrum Halbleitermaterialien und innovativen Firmen in der mittelsächsischen Kreisstadt sei "ein europa- wenn nicht sogar weltweit einmaliger Technologie-Campus entstanden", verkündete Lüdemann. Allein im benachbarten Gründer- und Innovationszentrum Freiberg (Gizef) sind nach den Worten von Geschäftsführer Thomas Lindner "im Schnitt fünf Firmen mit einer Affinität zur Halbleiterbranche" tätig. Eine davon ist die Freiberg Instruments GmbH, die für ihr weltweit einzigartiges Verfahren zur berührungs- und zerstörungslosen Überprüfung von Halbleitermaterialien in diesem Jahr mit dem IQ Innovationspreis Mitteldeutschland in der Sparte Solarwirtschaft ausgezeichnet wurde. Jürgen R. Niklas, der die Firma im Dezember 2005 mit einem Physiker-Kollegen von der Bergakademie gegründet hat, sieht in dem neuen Nachbarn keine Konkurrenz: "Ganz im Gegenteil, die kaufen doch Geräte von uns." Sein Team sei derzeit elf Mitarbeiter stark und erlebe eine enorme Nachfrage. Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) lobte die Solarworld-Investition als "Entscheidung für Sachsen als Forschungsland". In Freiberg sei ein Meilenstein für einen dynamischen und wissenschafts-basierten Technologiestandort gesetzt worden.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 23.09.2010