Solar-Konzern wagt sich auf Neuland

Solar World darf zusammen mit der TU Bergakademie Freiberg im erzgebirgischen Zinnwald nach Lithium suchen. Gestern wurde dafür die Erkundungserlaubnis erteilt.

VON GABI THIEME

ZINNWALD - Bereits zwölfmal haben seit 2007 Unternehmen so genannte Erkundungsgenehmigungen erhalten, um herauszufinden, in welchem Umfang in sächsischer Erde noch Bodenschätze lagern. Zum ersten Mal ging gestern eine solche Erlaubnis an ein Unternehmen, das sich eigentlich einer "grünen Technologie" verschrieben hat: dem Solartechnologiekonzern Solar World mit Sitz in Bonn und einer seiner größten Produktionsstätten in Freiberg. Gemeinsam mit der TU Bergakademie, von der eigentlich die Initiative für die Erkundung ausging, will das Unternehmen herausfinden, welchen Umfang die LithiumLagerstätte direkt an der Grenze zu Tschechien hat und ob sich Abbau und Aufbereitung lohnen.

Zum ersten Mal gab es damit in Sachsen eine Erkundungserlaubnis für Lithium und zum ersten Mal ist damit zugleich eine Forschungseinrichtung mit im Boot. Die TU Bergakademie als Ressourcen-Universität befasst sich seit geraumer Zeit mit der Frage, wie die rasant steigende Nachfrage nach Lithium als wichtigem Rohstoff für leistungsfähige Batterien zur Speicherung von Solarstrom sowie für Hybrid- und Elektroautos gedeckt werden kann und welche Reserven es in heimischen Lagerstätten gibt.

Die Erkundungserlaubnis erstreckt sich auf eine Fläche von 7,8 Quadratkilometer. Hinsichtlich der Tiefe gibt es laut dem sächsischen Oberbergamt, das den Antrag in den vergangenen drei Monaten zu prüfen hatte, keine Beschränkung. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen Experten von einem Mineralgehalt von 250.000 Tonnen reinem Lithium aus. Allerdings befinden sich zwei Drittel davon auf böhmischer Seite. 150.000 Tonnen werden als industriell verwertbar eingeschätzt. Der durchschnittliche Lithium-Gehalt im Gestein wird auf 0,3 Prozent geschätzt. Doch gerade zu dieser Frage gebe es noch große Unsicherheiten, meinte Peter Horler, Sprecher des Oberbergamtes. Andere Untersuchungen, unter anderem in der Bergakademie, gehen von einem Anteil zwischen einem und drei Prozent aus. Die genauere Bestimmung ist daher eines der Erkundungsziele.

Die Solar World AG gibt an, dass die sächsischen Vorkommen zu den zehn größten Lithium-Lagerstätten weltweit gehören. Sie schätzt den Marktwert der Vorräte im Raum Zinnwald/Altenberg auf bis zu vier Milliarden Euro. Mit der nunmehr genehmigten Erkundung für Lithium im Osterzgebirge sei der erste Schritt getan, um den Rohstoff für die Solarspeicher von morgen zu sichern, sagte Vorstandschef Frank Asbeck gestern. "Wir erweitern gewissermaßen die solare Wertschöpfung in Deutschland, denn in Lithiumbatterien speichern Endverbraucher künftig ihren hausgemachten solaren Eigenstrom." Damit, so gab sich Asbeck überzeugt, könnten sich Kunden unabhängiger von den steigenden Preisen für Strom aus der Steckdose machen. Sein Unternehmen wiederum strebe nach Unabhängigkeit von ausländischen Rohstoffmärkten, "wir haben hier die Hand am Drücker", sagte Aspekt zur Neuausrichtung des seit 1999 börsennotierten Unternehmens. Der eigentliche Abbau könnte möglicherweise 2014 beginnen, sofern die Erkundung erfolgreich verläuft.

Laut Wolfgang Voigt, Professor an der Bergakademie Freiberg, werde die eigentliche Herausforderung darin bestehen, "das Lithium aus dem Gestein herauszuholen".

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Freiberger Zeitung, 26.03.2011