SERIE: INNOVATION IM ERZGEBIRGE - Wannenwunder weckt Badeträume

Von 73 Firmen, die sich um den 16. Sächs. Innovationspreis bewerben, kommen neun aus dem Erzgebirge. "Freie Presse" stellt die Kandidaten aus dem Erzgebirge vor. Heute: die Mauersberger Badtechnik Betriebs GmbH in Gelenau mit ihrer Leuchtbadewan

VON GUDRUN MÜLLER

GELENAU - Eine Badewanne stiehlt allen anderen Ausstellungsstücken die Schau: Sie steht, oder besser, schwebt fast im Gelenauer Präsentationsraum der Mauersberger Badtechnik Betriebs GmbH und zieht die Blicke auf sich. So einladend wie die anderen Whirlpools mit Massage-, Perldüsen oder Lichtstrahlern und Wannen in unterschiedlichsten Formen auch aussehen mögen, sie verblassen angesichts der blauen Leuchtkraft des Wannenwunders mit Namen Neon aus Mineral im ergonomischen Design.

"Wir wollten einfach mal zeigen, was wir an Ideen umsetzen können und zu welchen Entwicklungen wir fähig sind."

Falko Mauersberger Firmenchef

Die Wanne, die sogar mit dem eigenen Schriftzug versehen werden könnte, weckt Begehrlichkeiten. Doch das eigene Badezimmer könnte dafür wohl eher zu klein sein oder der Geldbeutel zu schmal bei 7500 Euro pro Wanne. Der Junior der beiden Firmenchefs, Geschäftsführer Falko Mauersberger, weiß, dass er diese lichtdurchlässigen Wanne aus Mineral nur in geringer Stückzahl produzieren wird. "Aber es ist das Sahnehäubchen", sagt er, mit dem sich das Unternehmen um den sächsischen Innovationspreis bewirbt.

"Wir wollten mit dieser Wanne einfach mal zeigen, was wir an Ideen umsetzen können und zu welchen Entwicklungen wir fähig sind", sagt Falko Mauersberger. Das Wannenwunder ist also sozusagen ein Aushängeschild für das Unternehmen. Zwei Stück für Ausstellungen und drei für Privatkunden sind bereits gefertigt worden. Vergleichbares, so der Juniorchef, gebe es noch nicht auf dem Markt. Die Begeisterung sei deshalb auf der Sanitärmesse IFH in Nürnberg beim Fachpublikum groß gewesen, auch Konkurrenten hätten gestaunt.

Der Wannenkörper besteht vor allem aus natürlichen Mineralien. Diese wurden nach dem Abbau pulverisiert und mit Acryl, sowie Zusatz- und Bindestoffen versehen. Das flüssige Material kann somit in eine Form aus Glasplatten gegossen werden, die anschließend wieder entfernt werden. Danach darf der gehärtete Mineralwerkstoff sogar gefräst werden, mit Muster und Ranken versehen oder eben dem Namenszug, schildert Falko Mauersberger den Herstellungsprozess. Das Material ist durchlässig für das Licht der dahinter angebrachten Platten mit LED-Leuchten. Die Lichtquelle bleibt unsichtbar, die Helligkeit erscheint fließend und homogen.

Die Innovation, für die Gebrauchsmusterschutz beantragt wurde, steht zugleich für eine Entwicklungstendenz des 1990 gegründeten Unternehmens. Denn seit etwa fünf Jahren bedienen die Gelenauer Badtechniker, die seit 1995 Wannen vor allem aus Acryl in Gelenau herstellen, auch das hochwertige Segment, vorwiegend freistehende Wannen und Whirlpools mit besonderem Qualitätsanspruch. Gepaart mit einem gleichzeitig verstärkten Marketing ging es seit fünf Jahren in der Gelenauer Firma "steil bergauf", wie Falko Mauersberger betont. Als Beweis kann er die Umsatzzahlen anführen: 2005 standen noch 1,8 Millionen Euro zu Buche, im vergangenen Jahr schon 4,6 Millionen Euro. In diesem Jahr soll die Fünf-Millionen-Grenze überschritten werden. Die größten Zuwachsraten werden dabei in den alten Bundesländern erzielt, moderater sind die Steigerungen gegenwärtig in den neuen Ländern. Im Auslandsgeschäft bemüht sich das Unternehmen neben Schweiz und Österreich derzeit, den Fuß in Russland in die Tür zu stellen.

Für weiteres Wachstum haben die Mauersberger vor wenigen Monaten ihre dritte Werkhalle im Gelenauer Gewerbegebiet in Betrieb genommen. Investiert wurden in den Neubau mit Ausrüstung insgesamt 1,4 Millionen Euro, so der Chef. Dafür konnten vier weitere Mitarbeiter eingestellt werden. Damit habe das Unternehmen, das vor 16 Jahren in Gelenau mit sieben Beschäftigten startete, 36 Mitarbeiter.

Und es gibt in Zusammenarbeit mit Designern aus München und Frankreich neue Ideen: Der Leuchtwanne soll die Musikwanne folgen. An die ist beispielsweise der eigene MP3-Player anschließbar und unsichtbar angebrachte Lautsprecher lassen beim Baden die gewünschte Musik erklingen.

Innovationspreis Bewerben konnten sich kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten und Sitz in Sachsen. Über die Vergabe der Ehrungen mit einem Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro entscheidet eine Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Es gibt zwei mit je 5000 Euro dotierte Sonderpreise. Neben der Commerzbank vergeben dieses Jahr erstmals die sächsischen Handwerkskammern einen Sonderpreis. Internet: www.innovationspreis.sachsen.de

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 18.05.2011