SERIE: INNOVATION IM ERZGEBIRGE - Kamera kann mehr als nur Panorama

Von den 73 Firmen, die sich um den 16. Sächsischen Innovationspreis bewerben, kommen neun aus dem Erzgebirge. "Freie Presse" stellt die Kandidaten aus dem Erzgebirge vor. Heute: die Dr. Clauß Bild- und Datentechnik GmbH in Zwönitz.

VON FRANZISKA MUTH

ZWÖNITZ - Ein Jahr Arbeit und die Ideen von drei Erzgebirgern stecken in einem Gerät namens "Rodeon metric". Vorgestellt wurde es erstmals 2010 auf der internationalen Messe Photokina in Köln, zwei Patente sind darauf angemeldet. Es ist die neueste Entwicklung der Dr. Clauß Bild- und Datentechnik GmbH in Zwönitz: eine Panoramakamera der besonderen Art.

Denn sie bildet nicht nur die komplette Umgebung ab, sondern: "Ein Laser misst auch Abstände zu einzelnen Objekten im Bild", erklärt Geschäftsführer Ulrich Clauß. So lassen sich deren Maße genau ermitteln. "Das kann etwa zum Einsatz kommen, wenn eine Fassade restauriert werden soll", so der 52-Jährige. Oder auch zur Dokumentation nach einem Autounfall. "Rodeon metric" hat Ulrich Clauß mit seinen Söhnen Hartmut (30), Diplomingenieur für Elektrotechnik, und Roland (27), Diplominformatiker, entwickelt. Damit wollen die Drei nach dem Sächsischen Innovationspreis greifen.

"Mittlerweile haben wir um die 50 Patente angemeldet."

Ulrich Clauß Geschäftsführer

Ulrich Clauß, Doktor der Medizintechnik, und seine Frau Dagmar, Konstruktionsingenieurin, arbeiteten in der DDR im Messgerätewerk Zwönitz. 1990 gründeten sie die Firma. Zunächst war diese im Bereich Dienstleistungen und Einzelhandel tätig. So stattete sie beispielsweise Druckereien mit hochauflösenden Scannern und Druckern aus und bot Systeme für den Filmschnitt an. Das erste große eigene Produkt präsentierte der Familienbetrieb, der heute zwölf Mitarbeiter zählt, im Jahr 2000: die Kamera "Karline". Damit können Panoramabilder stereoskopisch, also in 3 D, abgebildet werden. Schaut man diese mit einer Rot-Blau-Brille an, hat man den Eindruck, in die Tiefe sehen zu können. "Die auf einem Stativ befestigte Kamera dreht sich und scannt Zeile für Zeile die Umgebung", erklärt Clauß.

Später hinzu kamen Schwenk-Neige-Köpfe. Sie bewegen eine Kamera in vorprogrammierten Schritten. Aus vielen präzisen Einzelbildern wird ein Panorama. Damit wurde 2007 auch das Wandgemälde "Das letzte Abendmahl" von Leonardo da Vinci in Mailand fotografiert. Es ist 8,80 Meter mal 4,60 Meter groß. Abgelichtet wurde es in 1677 Bildern. So genau, dass sich Risse und Farbpartikel erkennen lassen. "Eine Pionierleistung", sagt Clauß.

80 Prozent der Panoramatechnik aus Zwönitz gehen in den Export. Die Marke Clauß stand schon in Japan, den USA, der Sahara, im Regenwald von Peru und auf dem Mount Everest. Google ermöglicht damit den virtuellen Spaziergang durch Museen im Internet. "Wir werden weltweit als Marktführer für Panoramatechnik bezeichnet", so Ulrich Clauß. Kameras aus seinem Haus werden auch für die Produktion von Hintergründen für Fernsehserien oder spezielle Effekte in Filmen eingesetzt. Entwickelt hat die Firma zudem Drehtische für Fotoaufnahmen. So wird es möglich, dass man sich im Internet einen Schuh vor dem Kauf von allen Seiten ansehen kann. Ein weiteres Standbein ist mit dem Gerät "Circon" ganz anderer Art. Es dient zur Energieeinsparung bei der Warmwasserversorgung.

Ganz nebenbei verrät Clauß, dass er 1993 die erste digitale Panoramakamera der Welt entwickelte. "Mittlerweile haben wir um die 50 Patente angemeldet", ergänzt er. Um den Innovationspreis aber bewirbt sich die Firma zum ersten Mal.

Innovationspreis Bewerben konnten sich kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten und Sitz in Sachsen. Über die Vergabe der Ehrungen mit einem Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro entscheidet eine Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Es gibt zwei mit je 5000 Euro dotierte Sonderpreise. Neben der Commerzbank vergeben dieses Jahr erstmals die sächsischen Handwerkskammern einen Sonderpreis. Die Auszeichnung ist am 6. Juli.

Internet: www.innovationspreis.sachsen.de

 

 

Quelle: Freie Presse, Stollberger Zeitung, 26.04.2011