SERIE: BOTSCHAFTER IM PORTRÄT - Zwönitzer Oberflächenveredler ist für gebürtigen Bayer "Familie"

Um die 60 "Botschafter des Erzgebirges" rühren zurzeit die Werbetrommel für die Region. Zu ihnen gehört Nicolai A. J. Baum von Galvanotechnik Baum.

VON FRANZISKA MUTH

ZWÖNITZ - 35 Jahre sind die Beschäftigten in der Zwönitzer Galvanotechnik Baum GmbH im Durchschnitt alt. Einer, der die Statistik nach unten drückt, ist Nicolai Alexander Johannes Baum. Mit gerade einmal 29 Jahren steht er als geschäftsführender Gesellschafter an der Spitze des Oberflächenveredlers.

"Hier gibt es aber keine Ein-Mann-Führung. Wir sind eine starke Familie, mit Teamgeist und Verbundenheit untereinander", betont Baum. Seit rund einem Jahrzehnt ist er nun Teil dieser Familie.

Nicolai A. J. Baum, heute auch Botschafter des Erzgebirges, wurde in München geboren. Sein Großvater Helmut Baum, 81 Jahre alt, gründete die Firma 1977 in Baden-Württemberg. "Meine Großeltern machten sich 1991 auf die Suche, um einen Firmenstandort in Ostdeutschland aufzubauen." So wurden sie auf das ehemalige Messgerätewerk in Zwönitz aufmerksam, übernahmen 20 Mitarbeiter und einen Komplex von 20.000 Quadratmetern Fläche.

"Ich sehe mich mittlerweile als Erzgebirger."

Nicolai A. J. Baum gebürtiger Münchner

"Mein Großvater fragte mich vor gut zehn Jahren, ob ich nicht in seine Fußstapfen treten möchte", so Baum. Obwohl seine Eltern mit diesem Bereich "wenig am Hut" hatten - sein Vater ist Lehrer, die Mutter Psychologin - konnte er sich dies vorstellen. So lernte Baum den Beruf des Galvaniseurs, bei MTU Aero Engines in München-Karlsfeld. Die Firma produziert unter anderem Turbinen für den Eurofighter. Die Ausbildung schloss er als bester Galvaniseurlehrling Bayerns ab.

Nicolai A. J. Baum zog nach Zwönitz und arbeitete sich als Assistent der Geschäftsführung bei Galvanotechnik ein. Anfangs pendelte er noch nach München, absolvierte dort zusätzlich ein Abendstudium der Technischen Betriebswirtschaft. "Ich wollte, wenn ich einmal die Führung des Betriebes übernehme, mich auch mit dem Kaufmännischen auskennen", sagt er. Nach zwei Jahren in der Erzgebirgsregion machte er bei Lehrgängen in Nürnberg zudem noch den Galvaniseurmeister. 2006 übernahm Nicolai A. J. Baum die Geschäftsführung. Er verschaffte der Firma ein einheitliches Erscheinungsbild in den Farben rot-schwarz. Heute steht er allein in Zwönitz, dem Hauptsitz des Unternehmens, rund 250 Mitarbeitern vor, davon 28 Azubis. Weitere Standorte hat der Oberflächenveredler in Unterheinsdorf (Vogtland), St. Georgen (Schwarzwald) und Roznava (Slowakei). Zu 95 Prozent sind die Galvanotechniker Dienstleister für die Automobilindustrie, zu den Großkunden gehören Schaeffler, Bosch und Continental. Alle Azubis zum Oberflächenbeschichter aus Sachsen absolvieren in Zwönitz ihre praktische Prüfung. Auch in Zukunft will Baum die eingeschlagenen Wege weitergehen. Dazu gehören die umweltfreundliche und ressourcensparende Produktion sowie entsprechende Investitionen in Instandhaltung und Modernisierung der Anlagen.

"Botschafter des Erzgebirges passt auch zur Entwicklung unserer Firma. Wir schwärmen immer mehr aus", meint er. Nicht ungewöhnlich, dass Nicolai A. J. Baum 1000 Kilometer bis zum Kunden reist. Schwer sollte dem 29-Jährigen dabei das Werben fürs Erzgebirge nicht fallen. "Ich sehe mich mittlerweile als Erzgebirger", sagt Baum, der heute in Schwarzenberg wohnt. "In München bin ich vielleicht noch viermal im Jahr", verrät er.

In der Region fühlt sich der 29-Jährige sehr wohl. Das liegt vielleicht daran, dass seine Vorfahren großväterlicherseits aus dem Bergland stammen, wenn auch aus dem schlesischen. Dies findet sich sogar im Familienwappen wieder, das im Büro hängt. "Das ist die gleiche Landschaft wie im Erzgebirge", erzählt er. Die Verbundenheit von Nicolai A. J. Baum mit der Region zeigt sich auch noch auf andere Weise: "Früher war ich Bayern-München-Fan. Heute habe ich einen Aue-Schal und würde mich freuen, wenn Aue gegen die Bayern gewinnt."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Annaberger Zeitung, 28.04.2011