Produktion läuft wie geschmiert

Die Delimon GmbH fertigt in Beierfeld Schmiergeräte. Nach einer wechselvollen Geschichte machen die Erzgebirger 17 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Eine deutliche Steigerung wird 2011 erwartet.

VON KATJA LIPPMANN-WAGNER

BEIERFELD - Zur Produktpalette der Delimon GmbH gehören Pumpen, Verteiler und Umsteuereinheiten. Kurzum: Alles dreht sich um die beweglichen Teile in der Industrie, die durch Schmierstoffe ihre Funktionsfähigkeit erhalten. Auf rund 4000 Quadratmetern arbeiten derzeit 91 Mitarbeiter zum Teil im Drei-Schicht-System, denn das Geschäft läuft bestens. "Die Konjunkturkurve geht steil nach oben."

John Pearce Geschäftsführer

Erst unlängst konnte die Firma die Zahl ihrer Beschäftigten am Standort Beierfeld aufstocken. "Wir haben allein in diesem Jahr 1,7 Millionen Euro in moderne Maschinentechnik investiert. Die Konjunkturkurve geht steil nach oben", sagt Geschäftsführer John Pearce, der seine Wurzeln in England hat. Das Unternehmen arbeitet unter anderem für die großen Tagebaue in Deutschland, für Schienenfahrzeughersteller und für den Schwermaschinenbau insgesamt. Seit 1996 gehört die erzgebirgische Saxonia zu Delimon, seit 2001 engagiert sich Bijur als Mutterunternehmen mit Sitz in den USA.

Zur Geschichte: In der Region ist das VEB Saxonia Schmiergerätewerk mit mehr als 400 Mitarbeitern vielen sicher noch ein Begriff. Der Betrieb produzierte einst an der Robert-Koch-Straße in Schwarzenberg. "Nach der politischen Wende übernahm die Treuhand unsere Saxonia. Es begannen wilde Zeiten", erinnert sich die damalige und auch aktuelle Werkleiterin Doris Pearce. Da der volkseigene Betrieb stets zahlungskräftige Kunden in Frankreich, Holland und der alten Bundesrepublik hatte, liefen die Geschäfte zunächst weiter. "Es kamen zahlreiche Interessenten aus den alten Bundesländern, sahen sich in unsere Produktion um", so Doris Pearce.

Einerseits "spionierten" sie die Konkurrenz im Osten aus, andererseits lernten auch die Erzgebirger einiges von den neuen Mitbewerbern. "Wir hatten zu DDR-Zeiten ja alles unter einem Dach. Galvanik, Stanzerei und Fuhrpark schafften wir ab." Dafür konzentrierte man sich auf mechanische Fertigung und Montage. Das ging zwei bis drei Jahre gut, bis ein Investor die Saxonia samt Maschinenpark nach Wiesa bei Annaberg umsiedelte.

"1996 war für uns erneut ein Wendejahr, wir mussten Insolvenz anmelden", erinnert sich Doris Pearce. Doch mit Delimon kam ein Unternehmen aus Düsseldorf als Retter ins Spiel. "Sie schauten sich um und trafen innerhalb einer Woche eine positive Entscheidung." Das Traditionsunternehmen aus Düsseldorf übernahm das ostdeutsche Schmiergerätewerk aus der Insolvenz und produzierte zunächst unter dem Namen Delimon-Saxonia. Eigentlich suchte man damals im Annaberger Raum nach einem Grundstück. Doch durch den engagierten Einsatz der Werkleiterin ging es an den Spiegelwald.

"Die meisten Mitarbeiter kamen doch von hier. Ich musste nicht lange überlegen, als ich von einem Stadtrat den Tipp mit dem neuen Gewerbegebiet am Bockwald bekam", so Doris Pearce. Noch heute verdienen zirka zehn ehemalige Schmiergerätewerker ihr Geld bei der Delimon GmbH in Beierfeld. "Einer hat in diesem Jahr 45-jähriges Firmenjubiläum gefeiert."

Am 13. Juni 1997 war Einzug. Delimon-Saxonia startete in Beierfeld auf 2000 Quadratmetern und mit 35 Mitarbeitern neu durch. 2001 sah es düster für die Firma aus. Aber da schaltete sich mit Bijur ein amerikanisches Privatunternehmen ein. Ein Jahr später wurde die gesamte Fertigung von Delimon aus Düsseldorf nach Beierfeld verlegt, nur die Verwaltung blieb in Nordrhein-Westfalen. Seither ist Ruhe eingekehrt. Selbst die jüngste Wirtschaftskrise haben die Erzgebirger überstanden. Weltweit hat Delimon-Bijur Auslandsvertretungen. Geschäftsführer John Pearce: "Momentan richten wir unsere Blicke gen Russland, das ist ein sehr interessanter Markt."

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 21.09.2011