Ortsumgehung von Lauter steht nicht im Investitionsplan bis 2015

Eine Straße, die - wo und wie auch immer - einen Bogen um die Vogelbeerstadt schlägt, fehlt im Fünfjahresplan-Entwurf für Verkehrsprojekte des Bundes. Ist das Vorhaben weiter verschoben worden oder etwa ganz gestorben?

VON FRANK NESTLER

LAUTER - Die vom enormen Durchgangsverkehr auf der B 101 genervten Bewohner von Lauter müssen weiter auf gute Nachrichten zum Thema Ortsumgehung warten. Die jüngste Nachricht war wieder eine schlechte: Im aktuellen Entwurf des "Fünfjahresplans" für Verkehrsprojekte des Bundes bis 2015 ist Lauter nicht enthalten. Für Stephan Kühn, den verkehrspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, ein Zeichen dafür, "dass die Realisierungschancen auch für dieses ,Wünsch-dir-was-Projekt' weiter gesunken sind".

Zwar fehle die Ortsumgehung von Lauter im Rahmeninvestitionsplan bis 2015, sie sei aber nach wie vor Bestandteil des übergeordneten Bundesverkehrswegeplans. Das sagte gestern Bürgermeister Thomas Kunzmann (Freie Wähler). "Wir reden hier ohnehin von einem Zeitkorridor von zehn bis fünfzehn Jahren. Das wussten wir. Darum sehen wir den aktuellen ,Fünfjahresplan' eher gelassen. Zumal nach unserem Kenntnisstand auch die Staatsregierung an der Umgehung festhält."

Am Montagabend war in einer Sondersitzung der Stadträte dieses Thema, jedoch nicht öffentlich, mit zur Sprache gekommen. "Es ist bekannt, dass die vorgelegten fünf Varianten in Lauter keine Begeisterung auslösen", so Kunzmann. "An diesem Thema muss weiter gearbeitet werden. Was aber schnellstmöglich passieren muss, sind Verbesserungen der Verkehrssicherheit in der jetzigen Struktur. Und dafür gab es ja während der jüngsten Bürgerversammlung durchaus Zusagen."

Die Hoffnungen auf eine Umgehungsstraße für Lauter dämpft Bundestagsmitglied Kühn kräftig. "Die Kosten werden auf bis zu 70 Millionen Euro geschätzt. Bis heute stehen im Bundesverkehrswegeplan Projekte, die unsere finanziellen Möglichkeiten um ein Vielfaches übersteigen. Da muss endlich ein Schnitt gemacht werden. Wir werden uns bei den Straßen künftig kaum noch Neubauten leisten können, sondern uns auf den Erhalt des bestehenden Netzes und das Beseitigen einzelner Engpässe konzentrieren müssen."

Im sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr liegt der Investitionsrahmenplan für die Verkehrsinfrastruktur 2011 bis 2015 noch gar nicht vor, erfuhr "Freie Presse" gestern. Insofern gab es auf einige Fragen keine Antworten. "Wir gehen davon aus, dass der Bund demnächst auf die Länder zukommt und mit ihnen gemeinsam die Maßnahmen abstimmt", erklärte Peter Welp aus der Pressestelle des Ministeriums salomonisch.

Ob die Planungen weiter gehen, vorerst auf Eis liegen oder eingestellt werden, ist eine Frage, die sich angesichts dessen aufdrängt, was die mit dem Thema befassten Bundestagsabgeordneten offenbar bereits wissen. "Die Ortsumgehung Lauter befindet sich noch im Stadium der Vorplanung beziehungsweise Variantenentscheidung. Bis zum Jahresende läuft die Anhörung der Träger öffentlicher Belange zur Vorplanung. Das sächsische Verkehrsministerium steht in sehr engem Kontakt mit den Betroffenen und führt regelmäßig den Dialog auch in persönlichen Gesprächen vor Ort", hieß es. Von Überlegungen zu einer großräumigen Lösung von Markersbach bis Aue, wie aus der Region mehrfach angeregt, sei nichts bekannt.

 

 

Quelle: Freie Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 14.09.2011