Neuer Partner will Eisenwerk Erla stärken

Die traditionsreiche Gießerei im Schwarzwassertal war seit 2007 in der Hand der indischen Sanmar Group. Diese widmet sich nun wieder mehr ihrem Kerngeschäft und verkaufte ihre Geschäftsanteile an die Dynamatic Group.

VON FRANK NESTLER

ERLA - Auf dem Dach eines Gebäudes der Eisenwerk Erla GmbH soll ab Sonnabend eine neue Werbetafel zu sehen sein. Darauf steht unter anderem JKM Erla Automotive, eingerahmt von zwei Logos. Das eine, ein stilisiertes E, hat in Erla Tradition. Das andere, ein stilisiertes D, steht für den neuen Gesellschafter der Gießerei: Dynamatic Group Indien. "Unser Tagesgeschäft in Erla ändert sich durch den Wechsel nicht, weder Arbeitsorganisation, Lohn und Gehalt noch Urlaubsanspruch", sagt Dietmar Hahn, Hauptgeschäftsführer des Eisenwerks. Organisations- und Leitungsstrukturen des Unternehmens, das zirka 400 Leuten Lohn und Brot gibt, bleiben bestehen. Ein indischer Mitarbeiter wird nicht im Betrieb anwesend sein - beim vorherigen Gesellschafter war das anders.

Schon seit 2007 befand sich das Eisenwerk in indischer Hand. Die Sanmar Group sorgte mit Investitionen für eine gute Entwicklung, konzentriert sich im Ergebnis der globalen Wirtschaftskrise aber auf ihre Kernkompetenz im Bereich Chemie und fand mit der Dynamatic Group einen neuen, geeigneten Partner für den Spezialbetrieb im Erzgebirge.

"Es war ein bisschen so wie bei Eltern, die ihren Kindern nichts mehr beibringen können", bemüht Dietmar Hahn einen Vergleich. Sanmar habe das mit dem Blick aufs Automobilgeschäft erkannt. Denn das Eisenwerk Erla hat - dank aller bisherigen Gesellschafter seit der Privatisierung 1994 - eine starke Marktposition im Bereich Abgaskrümmer und Turbinen, die es nicht nur zu behaupten, sondern auszubauen gilt. "Nach dem Verkauf an Dynamatic können wir auf die Erfahrungen und Möglichkeiten dieser Gruppe in der Automobilbranche bauen. Das dürfte uns auf unserem weiteren Weg helfen", bekräftigt Hahn. "Alle Hauptkunden wurden rechtzeitig und umfassend informiert. Es gab keinerlei negative Reaktionen."

Das Erlaer Eisenwerk mit seiner mehr als 630-jährigen Geschichte dürfte für den neuen indischen Partner eine gute, leistungsfähige Ergänzung darstellen. In den Jahren seit der Privatisierung gab es umfangreiche Investitionen, die das Unternehmen fit für die Zukunft machten, angefangen mit dem Umstellen von Kupolöfen auf Elektroschmelzbetrieb. Jüngste technische Errungenschaft: das Komplettieren der Kernmacherei. Im Zusammenhang mit einem Turboladerprojekt für VW flossen dafür 2,6 Millionen Euro.

Im laufenden Jahr peilt die Eisenwerk Erla GmbH einen Umsatz in Höhe von 120 Millionen Euro an. Das ist nochmals eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, das mit 102 Millionen Euro Umsatz wahrlich auch kein schlechtes war.

 

 

Quelle: Freue Presse, Ausgabe Schwarzenberger Zeitung, 30.06.2011